“Gott deine Stimme ist leise geworden – zu leise für den Donner unserer Zeit. Wir können dich nicht mehr hören.”  Wolfgang Borchert

Gott? o Ja o Nein o Vielleicht o Ich mag Toastbrot.

Ich, als Priesterseminarist, sollte vermutlich etwas über Gott sagen können. Gut wäre zu sagen, ob er existiert und wenn ja, was das zu bedeuten hat. Nun ja, die Frage nach Gott betrifft jeden. Man kann sie zwar als nicht relevant zur Seite schieben, aber damit ist sie nicht beantwortet. Und wenn man versucht mit dem Begriff “Gott” etwas auszusagen, fangen ja eigentlich die Fragen erst an. Auf eine Antwort kommen 1000 neue Fragen. Kann man Gott definieren? Und was nützt das? Wer, warum auch immer er so etwas tut, die Bibel gelesen hat, findet verschiedene Hinweise auf einen Gottesbegriff. Allerdings findet man nie etwas absolutes oder einheitliches. Man bekommt eher einen Eindruck über den Charakter oder wie man das auch nennen mag. Allein beim ersten Mal wird man doch stutzig. “Ich bin der Ich-bin-da.” Stark! a=a*1. So ungefähr kommt einem doch die Vorstellungsrunde bei Mose vor. Und der Mensch liest das und ist genauso schlau wie vorher. Er kommentiert die Sache nach seinem Verstand: Der Rationalist sagt: “Ein brennender Dornbusch, der nicht brennt? Humbug” Der Sprachkundige: “Ein Paradoxon, ein Oxymoron, eine rhetorische Figur – langweilig.” Undsoweiterundsofort.

Natürlich kann man das komplette Äußere betrachten. Und alle Analyse beruht auch in weiten Teilen darauf. Doch einfach nüchtern feststellen was geschildert wird und das einfach mal so stehen lassen, ohne Bewertung, das wird schwierig. Wie wird denn Gott in dieser Szene dargestellt? Er ist anwesend, aber nicht in Menschengestalt. Er faselt wirres Zeug. Er gehorcht nicht der Natur. Aber er offenbart sich Mose. Viel mehr ist da gar nicht nötig heraus zu lesen. Machen wir das mit den meisten Bibelstellen über Gott bekommt man eine große Sammlung von Eigenschaften und Wesensmerkmalen, die einen Gottesbegriff definieren. Und das Ergebnis ist eher ernüchternd. Nichts einheitliches, nichts vernünftiges, mehr wirres als entwirrtes Zeug. Daher möchte ich erstmal ohne die Bibel “Gott” betrachten. Und zwar nicht von Gott her, sondern vom Menschen her. Wofür lebt der Mensch? Ist er einfach existent ohne Sinn und Richtung? Lebt er für sich oder für andere? Oder lebt er für Gott? Nehmen wir einmal an, dass der Mensch selbst das Ziel seines Lebens ist. Er ist wichtiger als der Nächste und damit auch wichtiger als die Eltern, den Partner, die Kinder, die Freunde und alle anderen. So ist er auch wichtiger als alle Sachen. Aus dieser Annahme heraus gibt es keine Gemeinschaft. Ob der Nächste tot oder lebendig ist, ist egal. Die Eltern sind nur für die eigene Geburt relevant, danach könnten sie auch verschwinden. So etwas wie ein Gewissen kann nicht wahrheitsdienlich sein. Es gibt keine Fehlgriffe. Die Würde des Menschen? Quatsch, totaler Quatsch. “Wenn du mich erschießen willst, kann ich dich erst erschießen. Ich bin wichtiger als du.” Es gibt keine Würde “und wenn habe ich mehr als du”. Mit dieser Einstellung kann man alles rechtfertigen. Es gibt keine Moral und keine Ethik.

Wenn der Mensch nicht auf sich selbst hin gerichtet ist, auf wen denn dann? Etwa auf den Nächsten? Das würde auch nicht funktionieren. Dann wäre der Mensch immer noch auf einen Menschen hin gerichtet. Und dieser würde über anderen Menschen stehen. Damit hätte der andere stets die Position, in der alles erlaubt wäre. Es juckt nur mich und niemand anderen. Der Mensch, der auf den Menschen hin ausgerichtet lebt, lebt in einem Irrtum. Und zwar, dass er selbst wichtig wäre, dass er sich selbst erschafft und dass er so etwas wie Macht besitzt. Nichts davon ist wahr. Der Mensch kann Würde nur von anderen bekommen und auch Macht bekommt er nur von anderen. In das Leben kommt er ohne etwas und aus dem Leben geht er ohne etwas. Und das zwischen Kommen und Gehen ist dann wohl irrelevant, gäbe es keine höhere Sache, auf die er ausgelegt ist. Und da kommt Gott ins Spiel. Wer IHN wahrnehmen will und etwas über IHN erfahren will, muss sich auf den Weg begeben und IHN auch suchen. Wer nicht anfängt kommt auch nicht an. Heutzutage ist sehr schwierig geworden Gott zu hören. Denn der Mensch denkt, dass er sich selbst macht, dass er selbst Gott ist. Er denkt, dass Macht von ihm selbst ausgeht und dass es keine Wahrheit gibt. Man gibt sich lieber den sinnlichen Dingen hin. Aber kommunizieren hat der Mensch verlernt. Wie will er denn da auch etwas hören…