Die ganze Corona-Geschichte ist ja sehr lehrreich. Da lernt man neue Dinge kennen und findet Ammenmärchen aus der Mittelstufe entlarvt vor. Noch Anfang Februar besprach ich mit einigen Nachhilfeschülern Exponentialfunktionen. Da ich eifrig meine Corona-Tabellen pflegte gab es hier genug Wuhan-Daten, um das Lehrbuch gemäß zu illustrieren. Denn wie alle Lehrbücher wissen: Viren vermehren und verbreiten sich exponentiell.
Doch jüngst las ich eine kleine Twitter-Runde, von Herrn Drosten angestoßen, über diese Geschichte. Da redete nämlich dieser Herr davon, daß jedes Wachstum > 0, auch exponentielles Wachstum sei. Daraufhin hatte ein Dipl-Kfm. interveniert und diese Behauptung als unsinnig erwidert. Das bedeutet bloß Wachstum, aber nicht exponentielles. Sonst müßte die Wachstumsrate konstant sein. Jener Herr Drosten parierte (aus seiner Sicht) und vom hohen Roß machte er jenen Dipl.-Kfm. lächerlich: Es würde doch ein wenig Kenntnis vom Zinseszins ausreichen, um zu sehen, daß jedes Wachstum > 0 (d.h. jeder Zinssatz > 0) zu einem exponentiellen Wachstum führe.

Irgendwie bekam Prof. Homburg Wind von diesem Abtausch und gab dem Virologen eine gehörige Portion Mathenachhilfe inkl. einfachstem Beispiel. Das hatte es in sich. Es ist ein gewaltiger Unterschied zwischen exponentiellem Wachstum und logistischem, d.h. abnehmendem, Wachstum. Exponentiell bedeutet: Die Wachstumsrate ist > 1 und konstant oder wird gar größer. Logistisch bedeutet: Die Wachstumsrate nimmt ab und nähert sich schließlich asymptotisch der Null.

Zwei Erkenntnisse habe ich daraus gewonnen:
1) Die Lehrbücher haben mich in der Mittelstufe verarscht. Die biologischen Prozesse folgen nicht irgendeiner Exponentialfunktion, sondern einer logistischen Funktion. Das sieht nur am Anfang so aus wie eine Exponentialfunktion. Wenn man aber weiß, worum es geht, dann sieht man sofort ein, daß man sich geirrt hat.
Ergo: Falls ich noch einmal Mathenachhilfe zu Exponentialfunktionen gebe, dann werde ich da kein Viren-Beispiel mehr nehmen, weil es falsch ist. Stattdessen werde ich dieses Beispiel anführen und anhand dessen erklären, was eigentlich im Lehrbuch hätte stehen sollen.

2) Die einzigartige Synthese von Arroganz und Inkompetenz in der Person des Herrn Drosten hat ein neues Niveau erreicht. Wie einige Twitterkommentatoren es ausdrückten: «Und so jemand steht in der Verantwortung, die Geschicke des Landes zu leiten?» Es ist unglaublich. Und wie erwartet bespeichelt eine Horde von Matheniete diesen Herrn. Insbesondere versuchte auch ein Kollege des Drosten im Vollbesitz seiner arroganten Kräfte, ihm beizupflichten – und blamierte sich gleichfalls «mit Wumms». – Immerhin sind nicht alle Berufskollegen des Herrn Drosten so drauf. Ein Kommentator postete einen Vortrag von Herrn Streeck, der sehr anschaulich dieses «Basiswissen Epidemiologie» vortrug.

So im Rückblick betrachtet kann ich erkennen, daß die Wuhan-Zahlen das schon hergegeben hätten. Ich hatte da immer die Änderungsrate von Tag zu Tag mit ausgerechnet und in einen Graphen gepackt. Und da konnte man von Anfang an sehen, daß die Wachstumsrate am Sinken war. Die Reihe vom 29.1. – 12.2. lautete:
32% – 29% – 26% – 22% – 22% – 20% – 19% – 19% – 15% – 11% – 8% – 8% – 6% – 3%
An der Stelle hörte ich auch auf, die Tabelle zu führen, weil China die Zählweise, d.h. die Datenermittlung, änderte und dies dazu führt, daß der Datensatz korrumpiert wird. Man darf die Datenermittlung nicht innerhalb einer Meßreihe ändern, sonst verliert die Meßreihe ihre Aussagekraft. Basiswissen Statistik.

Damit habe ich nun etwas sehr interessantes gelernt! Und ein drittes Indiz ist hinzu gekommen, warum die Vorhersagen der Politik und ihrer Berater an keiner Stelle gestimmt haben.
Für jeden, der Ahnung von der Materie hat, läge das alles von Anfang an auf der Hand. In Deutschland war das, zumindest öffentlich, nur einer, der das gesagt hat: Dr. Wolfgang Wodarg. Er ist der einzige, dessen Vorhersagen alle gestimmt haben.