Bestürzt es mich noch, die Medienberichterstattung, also die Kommentierung der Welt vom kleinstmöglichen Sitzpunkt, dem Sessel der Wohnzimmerstube, anzuschauen? Es erstaunt einstweilen schon. Da wurde gerade der Iraner Suleimani getötet. Meine Zynikerschnauze fragt: Löste sich ein Stich? – Es ist ja das komische. Wenn da eine Iranerin – sagen wir in der kleinen Großstadt umme Ecke – getötet wird, dann werden üblicherweise nicht die Medienkanäle mit Kommentaren und Empörung und dem ganzen Firlefanz geflutet. Warum ist das so? Ist so eine Kampfdrohne unverhältnismäßig? Ist das der Skandal? Oder weil es halt der Amerikaner war und nicht der Afghane (oder gar der Alemanne!)? Vielleicht liege ich auch ganz falsch und plötzlich bekommt der Mediendeutsche einfach einen sentimentalen Anflug von Restmoral. Erstaunlich ist dabei nur, wann dieser sentimentale Anflug kommt und wann nicht. War das bei Gaddafi auch so? Bei Mubarak?

Am Ende liegt’s eher daran, daß die Leute Tatort gucken und nicht Wilhelm Tell lesen. Das wird’s sein. Da kann schon einmal die Linie zwischen Gut und Böse verwischen. Dann ist jeder Kampf per se schlecht. Weil man nicht weiß, wofür es sich zu kämpfen lohnt.
– Btw: Ich denke, daß man auch daher nicht mehr weiß, was Strafrecht ist. Es basiert auf der Einsicht, daß es etwas gibt, was Strafe verdient hat und daß es gut ist, wenn der bestraft wird, der sie verdient hat. –
Es kommt der Tag, da wird man Stauffenberg ebenso einsortieren. Bisher mißt man mit zweierlei Maß. Dann aber mißt man nur mit einem Maß, nämlichem dem falschen. Offen und unverblümt.