Ich komme gerade aus dem Baumarkt. Gesucht: Eine Spotlampe E14, ca. 40 Watt, Halogen. Gefunden: Njet. Es gibt keine Halogenlampen mehr! Wtf. Ich hab das wohl verschlafen. Aber die EU hat zugeschlagen. So mußte ich jetzt eine LED kaufen. Es kann nur ein Provisorium sein. Die LEDs machen mich kirre. Ich komm damit gar nicht klar. Die Lichtmischungen passen nicht zusammen, die Farbwiedergabe ist miserabel und ich nehm das Flimmern wahr, was bei einer stinknormalen Glühlampe mit Glühfaden nicht passiert. Meine Konzentration sinkt spürbar in Räumen mit LEDs. Spürbar meint: normalerweise reicht mein Konzentration immer. Bevor meine Konzentration alle ist, sind meine Füße eingeschlafen, mein Gesäß kriegt Hummeln und ich muß mich bewegen, usw. Und nun? Genau umgekehrt. Meine Augen ermüden schneller als meine Füße oder mein Sitzfleisch.

Es gibt immer wieder Stimmen, die sagen: ach, die LEDs sind inzwischen doch voll okay. Früher, ja, aber heute. – Ehrlich: Screw ya! Die üblichen LEDs haben einen Farbwiedergabeindex von CRI 80 (Ra). Das ist crap! Dann gibt es sogar welche mit CRI 90 (Ra). Ist das besser? Nein, das ist immernoch crap! Wäre CRI 95 (Ra) nicht okay? Nein, das ist hochwertigerer Crap! Warum? Weil der Index nur den Standard R8 mißt, d.h. es werden nur acht Farben, ACHT!!, geprüft. Die interessanten Farben beginnen aber erst danach. Der CRI kann auch mit R14, also vierzehn Farben, gemessen werden. Aber das macht keiner! Warum? Weil der Wert dann rapide nach unten geht. Gerade die wichtigen Farbenspektren wie Hautfarbe, Lippenfarbe, Haarfarbe sind völlig aus dem Rahmen. Deswegen läßt man die aus dem Standard raus. Man kann das sonst nicht verkaufen.

Dagegen: Eine stinknormale Glühbirne hat das volle Spektrum, CRI 100 über den ganzen Index. Und sie ist spottbillig.
Oft kommt auch das Geldargument bzw. das Stromargument. Ehrlich? Geld ist das Problem? Beleuchtung ist so günstig wie nie, zumindest aus technischer Sicht, d.h. sowohl was die Materialien angeht als auch in Relation zum verfügbaren Einkommen. Licht ist eine wichtige Angelegenheit. Wer drei Fernseher daheim hat, der kann nicht über die Lichtkosten meckern. Geld kann es nicht sein.
Und Stromsparen? Es wird da immer diese Standardrechnung aufgemacht: 1.000 Stunden pro Jahr pro Glühbirne. Also z.B. 70 Watt Einsparung mal 1000 macht 70 Kilowattstunden pro Jahr und Lampe. Bei rund 20 Lampen sind das also 1400 KWh. Noch mit der Strompreis von 1/3 Euro et voilà: 470 € gespart (oder 23 € pro Lampe).
Klingt nach einem Argument? Nun, es fällt so zusammen wie die Hausverpackungen: Diese Rechnung hat noch nie wer in Wirklichkeit gehabt. Und warum nicht? Weil quasi niemand eine Lampe 1.000 Stunden pro Jahr betreibt.

Wollen wir mal die Rechnung korrigieren: Pro Tag wird ein Raum drei Stunden lang mit künstlichem Licht beleuchtet. Preisfrage: In wievielen Räumen hält sich für gewöhnlich eine Person gleichzeitig auf? Richtig: In einem. Nehmen wir ein typisches Szenario an: Fernsehen. Im Wohnzimmer sind drei Lampen: 1×100 Watt, 1x 75 Watt und 2×50 Watt. Macht 275 Watt pro Stunde und 825 Watt pro Tag. Auf’s Jahr sind das rund 300 KWh (entspricht 100 €). In LEDs sind das ungefähr 35 Watt pro Stunde, 105 Watt pro Tag, 38 KWh pro Jahr und knapp 13 € pro Jahr. Das sind 87 € Differenz. Einmal volltanken…

Lohnt sich dieser Unterschied? Aus meiner Sicht überhaupt nicht. Es handelt sich hier um <10 € pro Monat, die gespart werden, um schlechteres Licht ertragen zu müssen. Was kostet ein Handyvertrag dagegen? Was kostet der tägliche Coffee2go? Nach einer Woche hab ich das Licht «rausgetrunken».

Bleibt noch Stromsparen. Zieht das? Definitiv nein. Jeden Tag geht irgendein unnötiges elektronisches Gerät ans Netz. Smarthome läßt grüßen. Die Zahl der Verbraucher wird mehr und ebenso die Last des Stromnetzes. Das Licht macht dabei so einen kleinen Teil aus. Kühl- und Eisschrank, Waschmaschine, Trockner, Herd, Backofen, Mikrowelle allein verbrauchen schon genug. Das ist im privaten Bereich schon relativ gut einsehbar. Gehen wir aber in die Industrie, dann wird der Unterschied noch viel krasser. Was Serverräume verbrauchen, was Maschinen mit Elektromotor verbrauchen, das ist ein vielfaches von der Lampe. Da wird es lächerlich, über Licht zu reden. Und damit meine ich nicht, daß man in der Industrie z.B. für Verkehrsflächen LEDs einsetzt. Das ist völlig richtig. Aber nicht der Stromverbrauch in Relation zur privaten Nutzung.