Wie Josef Bordat war mir diese Woche auch schon aufgefallen, daß die «Ehe für alle» die Basis allen Rechts aufhebt, nämlich das Vernunftrecht, auch Naturrecht genannt. Es war ein Bestreben der Aufklärung das Recht aus dem Gewohnheitsrecht in das Vernunftrecht zu transformieren. Dieser Prozeß ging lange vonstatten und so wurde fast die ganze Rechtswissenschaft auf den scheinbar sicheren Boden der Vernunft gegründet. Die Autorität eines Rechtsaktes hing dadurch nicht mehr von der rechtmäßigen Autorität ab, sondern hatte seine Autorität aus sich heraus, insofern er aus der Vernunft hervorging.

Mit der «Ehe für alle», wie sie wahrscheinlich nun eingeführt wird, löst man diese Bande. Nur es ist kein Rückschritt zur rechtmäßigen Autorität, nicht zum Gewohnheitsrecht, sondern ein Schritt in die andere Richtung, zur Willkür. Es gibt überhaupt keine Gründe, warum man dort irgendetwas regeln sollte. Hier werden eigentlich rechtlose Zustände legalisiert. Die vom Wesen des Menschen her begründete Ordnung wird aufgebrochen. Offensichtlich ein Leben contra naturam.
Die spannende Frage ist dann, ob das BVerfG das kassiert oder nicht. Denn die Ehe ist im Grundgesetz verankert. Ein «Lackmustest für die freiheitlich, demokratische Grundordnung». Das BVerfG würde sich auch vom Vernunftrecht abwenden. Und dann steht eben unser Grundgesetz zur Disposition. Auf den ersten Blick scheint es nur ein kleiner Spalt zu sein, der hier aufgemacht werden könnte. Doch in kurzer Zeit wird dieser Spalt in Dimensionen übergehen, die weit größer und verheerender sind.

Wo liegt jetzt die Kluft? Wer «Ehe für alle» sagt, der meint, daß die Institution der Ehe keine Institution ist, die dem menschlichen Wesen eigen ist, sondern daß die Institution der Ehe eine demokratische Institution ist. Wer diese Kluft erkennt, sieht ohne Mühe die Gangart, die hier eingelegt wird: Die Menschenrechte als vorstaatliche Rechte werden überführt in staatliche Rechte. Dem Staat kommt nun zu, über diese Recht zu verfügen. Dabei waren sie gerade so gedacht, daß sie der Staatsgewalt entzogen sind, nicht demokratisierbar. Hier wird die Aufklärung zerlegt (im Namen der Aufklärung). Es passiert das, wovor Papst Benedikt so ein- und nachdrücklich gewarnt hat. Liebe Leute, es beginnt!

PS: Josef Bordat hat sofort noch mehr naturrechtliche Schranken fallen sehen, die mir nicht ins Auge sprangen. Die ganzen naturrechtlichen Ehehindernisse: Blutsverwandtschaft, etc. Wer an einem naturrechtlichen Sachverhalt rüttelt, rüttelt auch an allen anderen.

UPDATE: Inzwischen haben sich einige Bischöfe gemeldet. Viele verweisen auf das Grundgesetz und die Quelle des Naturrechts, andere verweisen auf das christliche Verständnis. Wenn es um das christliche Verständnis geht, haben wir eben schon vor 140 Jahren verloren. In diesem Diskurs geht es nur daher nur um das Vernunftrecht. Eine positive christliche Forderung würde die unauflösliche, lebenslange Ehe thematisieren. Das ist offensichtlich aber nicht der Fall. Und das stellt auch gerade kein Bischof klar heraus. Es scheint ja, als wäre dieser Schritt die Abkehr von unserem christlichen Verständnis. Doch das ist es gerade nicht.