Johannes Hartl hat neulich einige Gedanken zu der Frage, warum Jesus am Kreuz gestorben ist, formuliert. Das juckt mich. Die Frage stelle ich mir auch schon lange. Ich erinnere mich, wie sie mich in der Vorwoche des WJT in Madrid in Bann gezogen hat. Leider mußte ich, trotz einiger Ergebnisse, die Frage letztlich zurückstellen. Habe ich hier eine Antwort gefunden?

Nein, habe ich nicht. Der Kern von Hartl: Das Kreuz ist die Antwort auf Schuld und Sünde. Gerechtigkeit kann nur aufgerichtet sein, wenn Schuld und Sünde gesühnt, d.h. real getilgt werden. Soweit auch richtig. Jedoch führt er Sünde aus, als Fehlgehen des Sollens. Dieses Versagen führt zur Zeche. Und der unentsühnte Mensch ist ein Zechenpreller. Erlösung heißt: Jesus hat die Zeche bezahlt.

Wenn der Gedanke der realen Tilgung konsequent gedacht werden würde, dann liefe es notwendig auf das Endgericht hinaus, falls Gerechtigkeit möglich sein soll. Die Geschichte hat Ungesühntes angehäuft. Die Opfer haben keine Stimme. Und daran ändert auch der Tod Jesu nichts. Nur ein geschichtsmächtiger Gott kann diese Gerechtigkeit aufrichten. Das Kreuz kann, falls es mit der Erlösung zu tun hat, nicht bloß auf die geschichtlich-materielle Dimension, ein Zeitpunkt in der Geschichte, gebracht werden.
Ein weiteres Problem ergibt sich aus der ethischen Sicht auf Sünde. Wer ohne Sünde ist, wäre dann ohne Kreuz erlöst. Das ist natürlich falsch. Das Kreuz hat eine Heilsbedeutsamkeit über das Ethische hinaus und bezeugt die Erlösungsbedürftigkeit jenseits einer rein natürlichen Ordnung. Anders gesagt: Das Kreuz ist heilsnotwendig für alle Menschen.

Warum ist das Kreuz jetzt nochmal notwendig? Weil Gott total liebt. Liebe ist Ganzhingabe. Da gibt es keine Reservation, kein Flecken, der nicht geliebt wird. Das ist die Bedeutung von Opfer: sich selbst hingeben, sich selbst ganz hingeben. Wir Menschen sind von uns aus gar nicht in der Lage: Wir können uns weder ganz hingeben (weil wir uns nicht ganz haben, «der Mensch hat sich nicht», Benedikt XVI.) noch können wir ganz empfangen (weil das Geschenk der Ganzhingabe zu groß für uns ist). Nur einer hat sich selbst, kann sich selbst hingeben und alles empfangen: Der Sohn Gottes, der Gottmensch. Und wir können das auch nur, wenn wir durch seine Initiative in ihm sind. Diese Initiative und Eins-sein mit Christus nennen wir den Hl. Geist. Der Auferstandene gibt uns den Hl. Geist, damit wir sein Leib werden. Das ist die Bedeutung. Daher ist das Kreuz notwendig. Ohne Kreuz gibt es keine Erlösung.