Ich war gerade kurz davor ein Tucholsky-Zitat voranzustellen. Doch ich muß zugeben: Tucholsky zitieren kann jeder. Da kommt man einfach nicht mit bei. Die Ereignisse der letzten Tage und Woche drängen eigentlich zu einem Kommentar. Was das politische Tagesgeschäft angeht, so ist es weniger der Rede wert. Die vorgebliche Einschränkung der Rede- und Meinungsfreiheit sehe ich als herbeigeredet an. Meinen Mist darf ich äußern, auch wenn ich mit Konsequenzen rechnen muß. Aber ich darf es grundsätzlich.

In diesem Feld der öffentlichen Meinung kämpfen zwei Pole gegeneinander, die sich gegenseitig Gleiches vorwerfen. Die Titel sind austauschbar, der Inhalt gleich. Wie gerne hätte ich auf Facebook meinen Senf dazugegeben. Bloß kann ich so viel Gewäsch und falsches Drama nicht ertragen! Da fühle ich mich wie beim Poetry Slam: Schmalspurliteraten erobern mit Flachwitzen die Herzen klatschbegieriger Trivialliteraturliebhaber. Niemand buht mehr aus. Auch faules Obst fliegt nicht mehr. Verirrt sich ein Buhrufer und Obstschmeißer doch in diesen Kindergarten, dann wird getreten, gepetzt, gehauen. Und der Finger: «Der da hat angefangen!»

Es gibt ein unsichtbarer dritter Pol, der sich innerhalb dieser Meinungsmache nicht positioniert und schweigt. Er sieht, daß es da draußen nicht nur Terroristen gibt, sondern auch ein Haufen geschwätziger Kleingeister. Wozu sich mit Zwergen streiten?