Vatikan, was machst du denn? Auf kath.net habe ich gerade einen Artikel über Leitlinien für Priesterberufungen gelesen. Darin heißt es:

Der Priester sei für das Leben der Kirche unverzichtbar, hält das Dokument fest. Das Amtspriestertum, das vom «allgemeinen Priestertum» unterschieden werde müsse, bilde einen «neuralgischen und vitalen Punkt für das Bestehen der Kirche(1)». Der Priester, eingebunden in die Gemeinschaft mit dem Bischof und der Gemeinschaft der Priester(2), sei für die Verkündigung des Glaubens(3), für die Leitung der Gemeinde(4) und die Spendung der Sakramente(5) zuständig.

Zu den einzelnen Punkten:

(1) Das ist wohl wahr. Allerdings gehört der ganze Rest der Gemeinde auch dazu. Ohne Nicht-Priester gibts auch keine Kirche! Abgesehen davon hat der „Amtspriester“ auch Anteil am „allgemeinen Priestertum“

(2) und die Gemeinschaft aller Glaubenden…hallo? Der Priester kommt aus der Gemeinde heraus. Er ist kein Gewählter des Sakramentenspenderkollegiums, sondern der ganzen (Orts-)Kirche.

(3) alle Glaubenden sind qua Taufe dazu aufgerufen Christus in der Welt zu bezeugen. Das ist die Hauptaufgabe aller Christen!! Das ist die direkte Beauftragung von Christus her und darin besteht ein wesentlicher Teil des „allgemeinen Priestertums“.

(4) Leitung hat viele Gesichter. Als könnte ein Priester eine Gemeinde „lenken, leiten“. Er steht der Gemeinde vor und gemäß einer seiner Funktionen verwaltet er mit Laien zusammen das Rechtssubjekt „Gemeinde“.

(5) Das ist eine der wesentlichen Aufgaben des Priesters. Dazu ist er geweiht, nämlich den Menschen als Verwalter der Sakramente zu dienen. Und diese Aufgabe kann ihm auch kein Laie abnehmen.

Frage: Wo bleibt die Seelsorge? „salus animarum suprema lex“ – Das Heil der Seelen ist das oberste Gesetz! Darum kümmert sich der Priester. Wenn Jesus Christus sein Leben für das Heil der Menschen hingegeben hat und der Priester ihm darin nachfolgt, sich hingibt, dann muss gerade das Kern der Berufung sein. Und wo bleibt der „Leib und die vielen Glieder“? Der Priester ist nicht die Kirche allein! Jeder bringt sich ein und kommt seiner Berufung in der Kirche bei.

Mein Fazit:
Mit diesen Leitlinien läuft die römische Kirche in eine Sackgasse. Diese ist darauf aus, die Macht des Priesters zu konzentrieren, die Nähe zum Gemeindevolk zu distanzieren und sich in der Gesamtdarstellung zu exponieren. Das Bild des Priesters wird fundamental verzerrt. Es bewegt sich weg von einem neutestamentlichen Verständnis hin zu einem Pharisäertum. Der Priester ist nicht mehr der Gesandte zum Heil der Menschen, sondern Monarch der Gemeinde.
Wenn der Vatikan so weiter macht, wird es Spaltungen geben. Und diese sind nicht so, dass ein Teil der katholischen Kirche sich vom Vatikan entfernt, sondern der Vatikan von der katholischen Kirche. Liebe Bischöfe, sagt endlich mal deutlich, was katholisch ist. Macht euren Mund auf und hört auf den Firlefanz hinzunehmen. Wenn ihr in der apostolischen Nachfolge steht, dann habt Mut wie die Apostel, kommt endlich eurer Berufung nach. Ihr seid mehr als Sakraments- und Bistumsverwalter. Oder habt ihr Angst vor der Kurie?