Heute Abend war, wie an jedem Donnerstag, um 21h Anbetung in der Seminarskapelle. In dieser gesegneten Stunde wurde mir wieder deutlich, wie wichtig Sammlung, Stille, Gewissenerforschung, Wandlung und Gebet ist. Man hat so seine Sorgen, seine Fehler und Bitten und gerade in dieser Stunde ist jemand da, der ein erstmal nur zuhört – Christus. Dieser Halt ist unglaublich. Man kann zur Ruhe kommen und seine Gedanken im Gespräch ordnen, priorisieren, phantasieren (also „durchspielen“), verwerfen, neu zusammensetzen, abändern, und und und. Doch das wichtigste ist, dass alles was um einen so rum ist, zu Gott getragen werden kann. Die Last, die auf meinen Schultern liegt, wird so klein. Ich bin nicht wichtig. Der Herr nimmt meine Last und schmeißt sie ins Meer. Weg,! Versenkt! Das tröstet ungemein. Und selbst wenn meine Last mich zu erdrücken droht, bei ihm finde ich Ruhe, erfrische mich und kann gestärkt die Last auf mich nehmen.
Dieser Prozess ist interessant, denn er spiegelt so das Wesentliche der persönlichen Christusbeziehung wider. Wir kleine Menschen halten uns für so groß, dass wir vor dem Größten, Christus, bestehen könnten. Das können wir nie. Mit unseren Leiden halten wir uns für stark. Christus hält das ganze für uns – ganz ohne uns zu tun. Wir müssen es ihm nur geben. Und ER wandelt es. ER wandelt alles. Wenn wir so mit Christus leben, verwandelt er uns ganz. Und wir werden das, wozu wir berufen werden: zu Heiligen!

Nun zu einer anderen Sache, zu der ich eigentlich etwas sagen wollte:

Fürbitte. Ich hatte in der Anbetung wie so manchmal phantasiert (eine mögliche Szene ausmalen). Und in dieser Phantasie bete ich für einen Mitbruder. Ich lege ihm meine Hand auf und bete für ihn, um Gottes Beistand in seinem Geist. Plötzlich war es mir, als ob diese Phantasie gleichzeitig real und fiktiv wäre. Fiktiv wäre sie, weil ich eben jenem Mitbruder nicht die Hand aufgelegt habe, neben ihm stand und für ihn gebetet habe. Real wäre sie, weil das Verhältnis, die Gottes Offenbarung, das Gebet abgelaufen ist, als stünde ich direkt neben ihm und läge ihm die Hand auf. Das ist wirklich phantastisch. Das Gebet wirkte auf mich (und ich bin mir sicher auch auf Gott), wie als wenn es real passiert wäre. Es war für mich real.
Das zeigt mir, dass Ort und Zeit nicht so wichtige Faktoren sind. Es geht viel mehr um die Herzenshaltung. Wie stehe ich mit meinem Herzen a) zu meinem Mitbruder (oder Mitschwester) und b) zu Gott? In diesem Moment war mein Herz offen für den Mitbruder und für Gottes reiche Gnade. Ich glaube, dass wahre Liebe eben genauo diese beiden Aspekte enthält: Ein offenes Herz für den Nächsten und für Gott. Eine Haltung die eine einfach Offenheit übersteigt. Sie fordert nämlich sich selbst zu vergessen und für den anderen da zu sein. Den Egoismus ablegen, das Für-sich-leben ablegen.

Je mehr ich solche Erlebnisse habe, desto mehr vollzieht sich die Wandlung durch Christus. Es verändert mein Herz und damit auch meine Handlungen. Leute, sucht Gott in der Anbetung!!