Donnerstags nach dem Abendessen sind die jüngeren Seminaristen eingeladen, beim Herrn Spiritual etwas über geistliches Leben zu erfahren. In den aktuellen Zeiten geht es um das Thema “Entscheidungen treffen” und dann damit verbunden auch eben Entscheidungshilfen die richtige Entscheidung zu treffen. Dass das nicht immer leicht ist, weiß jeder. Doch Gott sei’s getrommelt und gepfiffen, gab es einen gewissen Ignatius von Loyola. Dieser Kerl war eigentlich Ritter und hatte gar nicht so viel mit Kirche am Helm gehabt. Nach einer Kriegsverletzung und einer Operation aufgrund der Spätfolgen war dieser Ignatius bis zur Genesung zu Bett ruhe verpflichtet. In dieser Zeit hat er viel nachgedacht und gelesen von Jesu Leben und dem einiger Heiligen. Früher las er Ritterromane und nun diese Lektüre, weil es bei seinem Aufenthalt nichts anderes gab.
Seine Gedanken kreisten einerseits um die Rittergeschichten, wo er sich wiederfand, und andererseits um die Heiligengeschichten, wo er sich in die Lage der Heiligen hineinversetze. Er betrachtete seine Gefühle und seinen Verstand und schweifte so hin und her. In diesem Zustand hat er sich selbstbetrachtet. [...] Am Ende dieser ganzen Betrachtungen kam eine Hilfe heraus, Entscheidungen zu treffen. Diese ist wesentlich in sein Buch der “Geistliche[n] Übungen” hineingeflossen.

Und jetzt das Lustige: Wir lesen Stellen aus dem Exerzitienbuch. Und ich finde mich genau darin wieder. Das liegt daran, dass ich dieses Buch besitze. Ich habe mir es vor einem halben Jahr in Freiburg im Thalia gekauft. Als ich damals in das Thalia wollte ich gar kein Exerzitienbuch kaufen. Ich war lediglich auf der Suche nach einem Sudokuheft. Da es aber dort keines gab (warum auch immer), schaute ich mich in der christlichen Literatur um. Und schwupppps, habe ich das Buch gekauft.

Das ist doch faszinierend. Ich hatte keinen blassen Schimmer, was mich erwartet. Bis dahin hatte ich nur eine äußerst vage Vorstellung von “Geistliche[n] Übungen”. Und so richtig viel konnte ich damit auch nicht anfangen. Aber irgendwie kam ich dazu das Ding zu kaufen und hineinzuschnuppern. Mehr oder weniger bewusst habe ich dann auch nach diesem Muster entschieden, in das Priesterseminar zu gehen. Also Leute, Augen auf! Gott schickt einem andauernd Dinge, die uns helfen. Man muss nur wachsam sein. Bei meiner Unachtsamkeit frage ich mich, wie oft ich Gott eigentlich nicht sehe. Dabei winkt der bestimmt täglich mit irgendwelchen Baumstämmen [Elativ von Zaunpfahl].