Am heutigen Samstag ist Recollectio angesagt. Recollectio, das bedeutet, sich zu sammeln, sich zu besinnen. Also ist dies ein Tag der Stille und des Nachdenkens über mich selbst, mein Verhältnis zu Gott und meinen Herausforderungen, die mich plagen. Der inhaltliche Teil von heute ist, mit “Priester sein” zu überschreiben. Monsignore Höfler hat uns in zwei Vorträgen Mut zum Priester sein ausgesprochen. Der erste Vortrag beinhaltete eine Postionsbetrachtung des Priesters in der Welt. Dagegen sprach er im zweiten Teil über sein eigenes Leben als Exempel. Meine Gedanken hierzu:

Die Berufungsgeschichte der Jünger stand am Anfang. Jesus ruft  die Menschen zu sich. Die Fischer werden gerufen ihre Familien zu verlassen, ihren Beruf hinter sich zu lassen und ihre eigentlich Umgebung, ihre Heimat, aufzugeben. Das alles geht in einem wahnsinnigen Tempo. Eine Lebensentscheidung in wenigen Augenblicken. Wie sieht es bei uns aus? Denken wir “warum ich”? Hören wir ein Rufen Jesu? Und wenn wir das Rufen hören, lassen wir uns auch in den Dienst nehmen?  Wir sind zur Selbstreflexion aufgerufen.
Es fällt dabei auf, dass wir zwar zur Kirche gehören, aber nicht von der Kirche gerufen werden. Es ist Christus, der uns beruft.  Wenn wir als Berufene auf seine Weisung hören, dann bedeutet das, dass wir zu Verkündern seiner Botschaft werden und das wir seiner “Spur” folgen, also seinen Weg nachgehen. Wir müssen Christus ähnlich werden. Er war bei den Menschen, so müssen auch wir uns den Menschen zuwenden. Dabei ist das gerufen sein keine Karriereleiter, die man erklimmen kann. Es ist einfach der Gehorsam, die Nachfolge anzutreten.
In der heutigen Zeit steht diese Nachfolge in der Kritik. Sie sei “unverlangbar”. Besonders die Ehelosigkeit wird als nicht zu erreichendes Ziel erklärt. Doch ist das nicht kleingläubig? Verlangt denn Gott Unmögliches von uns? Reden wir hier Gott nicht klein? Und fühlen wir uns nicht selbst zu klein? Gott schenkt denen, die seinem Geheiß folgen Erfüllung. Und das gilt für alle Positionen des Menschen: Jesus, Gottes Sohn, schenkt die Erfüllung. Keine Menschenhand kann den Menschen erfüllen.
Der Dienst am Menschen ist der erste Gottesdienst. Und Gottes Heilsworte dürfen in unserer Zeit nicht verstummen. Dabei ist die Lebensform des Priesters nicht “heiliger” als andere. Sie ist aber notwendig für Gottesbotschaft. Und darin ist der Priester nicht allein, denn Gott ist mit im Boot, egal wie hoch die Wellen schlagen. Dafür braucht man aber die Offenheit für Gottes Rufen. Und die Gemeinschaft der Gläubigen ist dazu aufgefordert den Priester, den Verwalter und Verteiler der Gnaden Christi auf Erden, zu tragen und zu stärken. Alle haben Anteil am Priestertum Christi. Und alle sind dazu aufgerufen, das Heil zu verkünden. Der Priester ist lediglich zu weiteren Aufgaben berufen. Soweit vom ersten Vortrag.

Im persönlichen Zeugnis wurde mir wieder vor Augen gehalten wie wichtig Beständigkeit ist. Ausharren im Gebet und der Schriftlesung, was eigentlich eins ist, ist die Basis des Christseins. Monsignore Höfler beginnt den Tag um 5:30h. Morgens eine Stunde für den Herrn. Es ist ein persönlicher Freiraum, um Kraft für den Tag zu schöpfen. Dieses frühe Aufstehen hat mit schon bei einer Katechese von Erzbischof Schick von Bamberg auf dem WJT in Madrid beeindruckt. Man findet diese Sehnsucht nach Gott auch z.B. bei König David in der Bibel und besonders in den Psalmen. Ohne diese Sehnsucht und die Beständigkeit droht der Glaube an Gott in Selbstgefälligkeit zu versinken. Die Kraftquellen bleiben aus und die Aufgaben wachsen über den Menschen hinaus. Hinzugesellt ist der tägliche Empfang der Eucharistie. Sie ist der Angelpunkt des Christseins. Alle Gnaden Gottes kommen von ihr oder sind auf sie gerichtet. Die Eucharistie ist Communio, die innigste Gemeinschaft mit Gott. Da ist Gott gegenwärtig mit Leiden, Tod, Auferstehung und Erhöhung. Man muss sich das bewusst machen, was das für ein RIESEN Geschenk ist. Es ist Anteil haben am Heil der Welt. Christus hat sich hingegeben in diesem Stück Brot. Und aus dieser Hingabe Christi soll sich der Priester ebenso hingeben für die Menschen. Das ist ein weiterer wichtiger Punkt: Die Menschennähe. Der Priester ist für die Gemeinschaft da. Er existiert nicht für Gott allein. Denn Gott hat ihm zum Menschenfischer berufen. Das Gnaden Christi sind für die Gemeinschaft da, nicht für den Priester! Um diesen Auftrag auch auszufüllen, bedarf es der Heiligkeit. Ein tugendloser, selbstsüchtiger Mensch kann die Gnaden nicht für die Gemeinschaft ausgießen. Der von Gott beauftragte Mensch muss daher ein nach Heiligkeit Strebender sein. Aber er kann die Menschen nicht heiligen. Das kann nur Gott. Der Priester führt den Menschen zur Quelle. Aus der Quelle trinken, muss der Mensch aber selber.
Der von Gott gerufene ist Hirte und dieser Hirte muss ein starker Hirte sein, der sich nicht zu schade ist, den Schafen nachzulaufen. Und wenn sich ein Teil der Herde in Dornen verfangen hat, muss der Hirte es heraus holen, auch wenn er sich dabei selbst verletzt und Schmerzen ertragen muss. Und dann trägt er das Schäflein auf den Schultern zurück zur Herde. Er selbst weidet sich nicht, er sucht sich nicht den schönsten Platz aus, sondern er möchte, dass es seinen Schafen gut geht.

Dieses Zeugnis schenkt mir Kraft. Es gut zu wissen, dass man nicht alleine ist, dass einem der Blick geöffnet wird für Gott und die Menschen. Und es zeigt mir, dass nicht jeder von Gott berufen wird. Vielen Dank dafür!