“Bei einer andächtigen Musik ist allezeit Gott mit seiner Gnaden Gegenwart.” – J. S. Bach

Musik ist eines der wundersamsten und wunderbarsten Dinge der Welt. Es gibt kaum etwas Vergleichbares, dass unsere Sinne und unseren Geist so heftig erregt wie die Sprache der Musik. Wir versetzen uns mit ihr in Stimmung. Wenn wir traurig sind, ermuntert sie uns und gibt uns Hoffnung. Wenn wir fröhlich sind, beschwingt sie uns noch mehr. Wie auch immer wir uns gerade fühlen, Musik trägt uns und erhebt uns von unserer irdischen Seite und beflügelt uns in eine andere Welt frei von Sorgen, Ängsten und Noten. Wir werden ver-rückt in einen lieblichen und schönen Zustand.

Dabei ist Musik eines der ältesten Dinge der Menschheit. Sie hat alle Epochen durchschritten, wurde entsprechend dem Zeitgeist angepasst und vieles blieb bestehen. Viele Teile der Musik sind zeitlos. Aber sind sie immer gültig?

Heutzutage scheint es ein nahezu unendliches Angebot an Musikrichtungen zu geben. Einerseits begegnen uns die Klassiker: Barock, Wiener Klassik, Romantik. Dann die Neue Musik über Atonalität, 12-Tontechnik und allen möglichen neuen Formen. Und zum Schluss die Popular- und Unterhaltungsmusik. Dabei existiert eine Vielfalt, die so groß ist, dass niemand alles kennen kann. Jeder sucht sich seinen Bereich oder seine Bereiche aus und hört sie, studiert sie, liebt sie, seine Musik.

Sehr häufig stelle ich bei der Frage nach dem Musikgeschmack fest, dass Musik auch polarisiert. Metalheads, die auf Hip-Hop schimpfen, Jazzer, die nichts mit Klassik zu tun haben wollen, Gitarristen, die Violinen nicht ausstehen können, Schlagzeuger, die Saxophonisten nicht leiden können. Die Liste kann man beliebig fortführen.

Doch warum ist das so? Warum polarisiert Musik und schafft nicht nur die Entrückung in einen andere Welt, sondern erreicht auch eine geistige Trennung und damit verbunden eine Aversion gegen anders hörende Menschen?

Das Problem ist die entrückte Welt an sich. Der Hörer lebt in einer Welt die einzigartig ist. Er teilt nicht die gleiche Welt mit einem anderen Hörer. Bei klassischen Werken und Neuer Musik ist diese Abgrenzung recht leicht nachzuvollziehen. Beide Bereiche erzeugen völlig andere Emotionen. Sie funktionieren nicht nur nach anderen Regeln, sie ver-rücken auch auf andere Weise. Und diese unterschiedlichen Arten der Musik begegnen sich nicht nur in den großen Richtungen, sondern auch im Kleinen, im Kleinsten. Ein einzelnes Werk erzeugt eine eigene Welt. Und diese Welt ist für jeden Hörer noch ein mal anders. Denn jeder Mensch fühlt anders.

Das Anders-Fühlen ist eine Sache, die nicht nur zu einer schönen und lieblichen Welt führen kann, sondern auch zu einer unsäglichen Welt voller Schmerz. Wenn jemand zum ersten Mal Neue Musik hört, kann damit wohl wenig anfangen. Was geht da vor? Klingt dort überhaupt etwas? Worum geht es?

Das Ergebnis ist ein Welt voller Fragen und Unbestimmtheiten. Man fühlt keine Freude, aber auch keine Trauer. Man weißt nicht, was man fühlt. Folglich denkt man eher, dass man Lärm hört, Undefinierbares.
Und dieser fehlende Zugang zu diesen unbekannten Welten, erzeugt die Abneigung. Wir werden aus unseren Hörgewohnheiten herausgerissen und können das Unbekannte und Uneinordbare nicht aushalten. Unser Körper schütz sich dann. Er macht eine Schublade auf, schließt das Unbekannte ein und wirft den Schlüssel in eine große Schublade, wo lauter Schlüssel für andere Schubladen drinliegen. Man könnte auch sagen, dass wir selbst uns den Zugang nehmen, diese unbekannten Welten zu erkunden.

Wie können wir nun dieser Trennung entgegenwirken? Eigentlich geht das nur mit Standhaftigkeit und Offenheit. Wer meint, er habe die einzig ästhetische Musik gepachtet, der wird sich immer ausgrenzen und immer polarisieren. Erst wenn wir Menschen begreifen, dass es andere Welten gibt und dass alle Welten das gleiche Ziel haben, nämlich Gottes Gnade vergegenwärtigen, dann ist Musik für uns Menschen ein Ort voll von Schönheit und Liebreiz.