Ich habe angefangen Chestertons “Outline Of Sanity” zu lesen. Und ich finde es höchst interessant, was er da herausarbeitet. Schon vor über einem halben Jahrhundert sah er, was andere helle Köpfe erst heute entdecken. Mich fasziniert das. Mir geht es bei Chesterton immer so. Ich entdecke irgend einen interessanten Gedanken und freue mich, was gefunden zu haben. Dann lese ich Chesterton und stelle fest: Er hat es schon lange gewußt. Das macht die Größe dieses Kopfes aus. Er sah die großen Linien.

Die Beobachtung, die Chesterton im genannten Buch gemacht hat, beschreibt die Einheit von Sozialismus (socialism) und Corporatismus (private enterprise). Schön ausgedrückt hat er es in dem Satz: “Capitalism has done all the things Socialism threatened to do.”
Diese Kongruenz sieht Chesterton, weil er sich von den Begrifflichkeiten verabschiedet hat und auf die Sache schaut. Er befaßt sich nicht mit den Idealen, die jemand vorgibt zu haben, sondern mit den tatsächlichen Wirkungen, die aus diesen Idealen hervorgehen. Dabei stellt er fest, daß Kapitalismus (im Sinne von private enterprise) und Sozialismus verschiedene Wege zum gleichen Ziel sind. Denn in beiden Fällen konzentriert sich das Eigentum (private property) in den Händen von wenigen. In dem einen Fall ist es eine staatliche Aristokratie (aka die Partei) und im anderen Fall ist es eine wirtschaftliche Aristokratie (aka die Konzerne). Der Kapitalismus in diesem Sinne stellt das Monopol dar. Das Monopol wiederum funktioniert bürokratisch. Es steht einer Behörde damit in nichts nach. Ob die Bürokratie nun in privater Hand ist oder in öffentlicher, spielt keine Rolle.

Die Endform des Kapitalismus ist die vollständige Konzentration des Kapitals in einem Monopol. Und was ist die Endform des Sozialismus? Die vollständige Konzentration des Kapitals in einem Monopol. Es ist absolut das gleiche. Der Unterschied existiert nur auf dem Papier. In einem Fall ist es der Staat, im anderen der Konzern. Auf dem Papier ist es einmal Privatrecht, einmal öffentliches Recht. Bezogen auf die Personen aber ist es einerlei.

Unter dieser Perspektive müßte man zu folgendem staatstheoretischen Schluß gelangen: Es nicht ganz richtig zu sagen, der Staat hat die Gewalt. Besser wäre zu sagen, wer die Gewalt hat, hat den Staat.