Seit langem ist es mir klar: Unsere Debattenkultur hat fertig. Die Kommunikation ist weitgehend vernichtet. Der Grundsatz, den wir von den Römern gelernt haben, et audiatur altera pars, ist aus unserer Gesellschaft herausgebrochen worden. An dessen Stelle hat sich eine Haltung breit gemacht, die man Ludwig XIV. nachsagte: eine Fanblase aus Speichelleckern schleicht nur noch um einen herum. Ganz neu ist dieses Phänomen daher nicht.

Für manche kommt diese Diagnose etwas übertrieben daher. Nein, das käme nur ab und zu vor. Doch ich muß sagen, daß solche Labels entweder bewußter Täuschung oder einer selektiv verzerrten Wahrnehmung geschuldet sind. Es sind keine ‘tragischen Einzelfälle’. Wenn man nicht wahrnimmt, daß jede Gesprächsrunde parteinah besetzt ist, dann merkt man die fehlende Alternative. Vielleicht drückt es das auch – epochemachend – am besten aus: alternativlos.

Daß es so ist, weiß jeder, der der Alternativlosigkeit nicht anhängt. Aber nicht jeder weiß, warum jener Grundsatz, die altera pars, nicht gehört werden darf. Die offizielle Antwort im Hochneudeutsch: keine Plattform bieten. Richtig heißt es aber: Sie haben die besseren Argumente, wir haben die Hosen voll und können nichts dagegen tun. ‘Deplatforming’ beruht einzig und allein darauf, die Alternativlosigkeit zu beschützen.