Die Krise, die wirtschaftliche, die uns gerade überrollt, schafft gewaltiges Chaos. Mir scheint die Prognose, wörtlich: das Vorwissen, sehr merkwürdig. Zu diesem Vorwissen zählt das hochgelobte Kurzarbeitergeld, was nur einen Unterschied hinsichtlich der Arbeitslosigkeit ausmacht, wenn es über kurze Zeit gewährt wird. Es dient dazu, die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens zu erhalten, wenn das Unternehmen in einer Liquiditätskrise steckt. Das ist in der Tat der Fall.

Unternehmen steckten schon in der Finanzkrise 2008 in der Liquiditätskrise. Es gibt aber völlig andere Ursachen in der derzeitigen Krise. Freilich gibt es eine Parallele: Kredite haben höhere Ausfälle, das Eigenkapital der Banken genügt nicht, um diese Verluste auszugleichen. Erst setzt die Kreditklemme ein, dann der bail out durch die öffentliche Hand. Das Problem verschleift man über die Zeit und man kommt “back to normal”. Dieses Problem hätte man durch bessere Ökonomie verringern können (höhere Eigenkapitalquoten, was aber nur mit einer anderen Zinspolitik möglich gewesen wäre; hat man halt ignoriert und nichts draus gelernt; spätestens seit dem ‘Streßtest’ der Banken ist man hier unbeirrt über Rot gefahren; ‘wird schon schiefgehen’). Der fatale Unterschied nun aber liegt nicht in der Bankenrettung, die gerade dem Finanzsektor den Arsch von der Herdplatte nimmt, sondern im Liquiditätsproblem, was dadurch nicht gelöst wird. Trotz Kreditschwemme bleibt die Liquidität am Boden, weil die Umsätze fehlen.

Die Krise hat das Konsumverhalten geändert. Diese Veränderung führt zu den Umsatzdefiziten. Die Kurzarbeit entspricht dem geänderten Konsumverhalten. So paßt sich der Warenoutput dem Konsum an. Wer in Kurzarbeit ist, erbringt keinen Warenoutput. Das Warenangebot fällt somit rapide ab. Es gibt nun zwei Fälle:

1. Der Umsatz entspricht dem Warenangebot und man arbeitet gemäß den Marktverhältnissen. Dann stabilisiert sich das Unternehmen. Wenn der Umsatz wieder steigt und dann kann die Kurzarbeit auch wieder aufgehoben werden.

2. Der Umsatz entspricht nicht dem Warenangebot und man arbeitet unprofitabel gemäß dem Markt. Dann muß das Unternehmen weiter kürzen, um zu überleben. Damit fällt das Warenangebot noch weiter.

Die aktuelle Krise hat nicht mittlere Umsatzeinbußen hervorgebracht, sondern massive. Der Konsum erholt sich nur langsam. Damit stabilisieren sich die Unternehmen nur langsam. Aus dem Kurzarbeitergeld wird ein Langarbeitergeld. Da nun die Dimensionen ernorm sind, bleibt das Konsumverhalten weiter niedrig. Die Kurzarbeit droht sich zu verfestigen und damit auch der Konsum. Dann fehlt schließt die Möglichkeit, das Warenangebot zu erhöhen und die dafür nötigen Arbeitsplätze zu schaffen. Diesen Effekt sehen wir gerade in vielen Branchen. Alles, was mit Gruppen zu tun hat, mit größeren Versammlungen, bleibt im Umsatzdefizit. Man sieht es bei den Gastronomen: die Gaststätten öffnen, aber es kommt kaum einer.

Das scheint zunächst kein Problem zu sein. Doch mit jedem Tag Kurzarbeitergeld sammeln wir als Wirtschaftsgemeinschaft Risiken in Form von Schulden ein. Wer bezahlt die Einkommensausfälle der Kurzarbeiter? Die Gemeinschaft in Form von Schulden. Gedeckt sind die Schulden nur in Form von Vermögen. Solange das Konsumverhalten dem Warenangebot gemäß ist, haben wir damit kein Problem. Die Geldmenge, die im Umlauf ist, entspricht diesem Verhältnis. Aber das ganze Geld, was nicht zirkuliert, häuft sich an, weil es nicht ausgegeben wird. Die Gesamtgeldmenge entspricht nicht dem Konsum.

Sobald der Konsum anzieht, kommen die Leute wieder in Lohn und Brot. Sie haben Vertrauen in die Wirtschaft und geben nun ihr Geld wieder aus (zB die 40% Differenz zwischen Kurzarbeitergeld und vollem Einkommen). Das reicht aus, um das noch nicht wieder erholte Warenangebot mit Geld zu überfluten. Dann kommt die Inflationswelle.

Mit jedem Tag, an dem die Schere zwischen Geldmenge und Konsum weiter auseinandergeht, erhöhen sich die Inflationsrisiken.

Mir scheint es besser, für die Dauer der Krise von der Substanz zu zehren und sein Konsumverhalten an diese Substanz anzupassen. Dann würde das Konsumverhalten nach der Krise im Verhältnis zum Warenangebot stehen und wir hätten diese Inflationsrisiken nicht. Die steigenden Gewinne der Privathaushalte würden dann zunächst die Verluste der Substanz ausgleichen.