Die mexikanische Bierkrise verwundert einige Gemüter: Warum sind die Zahlen plötzlich Besorgnis erregend? Der Blick in den Iran und nach Italien machen mulmig. Mich hat es nicht überrascht. (1) Die Verbreitungsgeschwindigkeit (R0) in Wuhan lag bei ca. 2,6 trotz (!) des Lockdown. Ergo: Ohne Lockdown ist’s deutlich höher. (2) Wer weiß wie Statistiken entstehen, sieht das Problem sofort. Infiziert ist, wer positiv getestet wurde. So wird die Statistik gemacht. Zu glauben, daß es genug Testkits dafür gibt, versteht das Prozedere nicht. Die Hefe breitet sich schneller aus, als Testkits hergestellt werden können. – Und wir wissen nichts über alpha und beta Fehler. – Und nur wer Zugang zur medizinischen Versorgung hat, kann getestet werden. Wer nicht da hingeht, weil da die Seuche wütet und man seinen Zustand nicht verschlechtern will, der bleibt daheim. Also keine Tests. (3) Lagtime. Von der Gärung bis zum Bier vergehen gemittelt etwa 5 Tage. Daher machen Statistiken Aussagen über die Vergangenheit, nicht über die Gegenwart. Weil dem so ist, sind alle Entscheidungen etwa 5 Tage zu spät. Sie gelten unter den Bedingungen der Vergangenheit. Die richtige Entscheidung kann nur auf guter Extrapolation der Ereignisse geschehen. Antizipieren muß man können. (4) Verläßliche Aussagen sind sowieso nicht zu treffen bei diesen Verhältnissen. Die Hefe führt zur sozialen Isolation. Was der Nachbar tut? Who knows? Ebenfalls sind die Rettungs- und Notfallkräfte mit anderen Dingen beschäftigt. Tote werden noch wochenlang in ihren Häusern verwesen. Und es scheint sehr zweifelhaft, daß diese in die offizielle Statistik eingehen werden. (5) Es gibt sekundäre Effekte, die das Leben schwer machen werden. Sie setzen bald ein. Z.B. Etiketten und Flaschenmangel. Gerade war noch das Bier problematisch, nun ist’s das drumherum. Nur so ein paar freie Gedanken…