Es gibt zwei Möglichkeiten zusammenzubrechen: auf Druck von außen oder durch Unterdruck von innen. Mich bekümmert es, den 9. November als einen Gedenktag begehen zu sollen, als Zeichen der friedlichen Revolution 1989. Ja, es klingt merkwürdig: Was sei denn schlecht an der friedlichen Revolution? Nichts freilich! Nur das Problem mit der Wahrheit. Gegen das friedliche Geschehen gibt es nichts einzuwenden. Aber Revolution? Was ist denn dann eine Revolution?

Es bleibt nicht viel übrig davon außer Symbol und Narrativ. Da kommt die Verklärung der Hochgemutheit, der Augenblicksstimmung, die Freude, einen Grund zu haben, um einen Sekt zu entkorken.

“Ja aber das Unrecht!” – Auf 30 Jahre betrachtet sieht die Perspektive anders aus. Zumindest für manche, die spät aber besser als gar nicht zünden. Gab es denn Nürnberger Prozesse? – Man nimmt einfach Tat und Täter aus der Presse und schon hat sich das Unrecht aufgelöst. Es wundert daher nicht, daß die Verjährung kein Problem löst. Das Unrecht schwelt weiter und gar perfider als zuvor. Es hat sich der Name auf der Verpackung geändert, aber nicht der Inhalt. Ein neuer Geldgeber; man hatte sich schon nicht für den alten interessiert.

Ob das Problem bekannt ist? Ja, daher die Stohmänner. Daher die zaghafte Kritik an Detailfragen und Nebenkriegsschauplätzen. Das mulmige Gefühl der Nahwestbeobachter will man einfangen. Die Betroffenen aber, die zeichnet man in den Pinselstrichen der Hysterie oder gibt ihnen Schweigealmosen. Man dürfe den zarten Frieden nicht gefährden. Da wird also Weihnachten bei Spießbürgerns zur Norm erklärt.

Dauerhaft kann man da nicht mithalten. Weihnachten ist Ausnahme. Da reißt man sich zusammen und ist froh, wenn es wieder rum ist.