Der Gedanke klebt noch zwischen den Ohren: Schulunterricht verbildet. Die Bildinterpretation erwähnte ich schon. Sie packt nicht und öffnet nicht das Fenster zum Innen der Seele. Aber ebenso ist es etwa mit einem Gedicht. Der Ursprung des Gedichtes, des echten Gedichtes, nicht der Karikatur dessen, liegt im Herzen des Dichters. Er hat einen Aspekt der Wirklichkeit geschaut, den er gar nicht anders wiedergeben kann als in einem Überschwang der Wortgewalt. Der Dichter öffnet das Fenster zu dem, was er gesehen hat. Was soll der Schüler damit anfangen? Nichts! Er ist gar nicht in der Lage. Die Folge: Er wird unfähig, von Bildern affiziert, von Gedichten mitgerissen zu werden. Ebenso in der Musik. Ein Museumsbesuch ändert nichts daran.

Schule zerstört das Staunen.

Schule würde besser funktioniert, wenn es das Kunstwerk aussparen täte. Deutsch und Deutsch sind zwei Fächer. Es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen Grammatik und Dramenanalyse. Der starke Konjunktiv und Goethes Faust sind dann doch zwei gewaltig verschiedene Ebenen. In Latein kommen diese Ebenen in einer Klausur vor. Eigentlich ist das tödlich. So kann Literatur nie anfangen zu sprechen. Wer mit der Grammatik kämpft, der kann doch nicht das Drama in seiner Brust nachvollziehen.

Es ist eine Tragödie: Das Staunen steht am Anfang aller Bildung. Daher ist Schule eigentlich vergeblich. Um diesen Angelpunkt muß sich Erziehung drehen. Eine Renaissance der Kultur beginnt mit dem Staunen!