…vor happy talk, wie von katholisch.de abgesondert wird und deren Vertretern. Es ist nicht gut für den Blutdruck, das zu lesen. Und wieder einmal: Klaus Mertes SJ. Unerträglich dieser Kerl. Sein Kommentar zu dem ganz Mißbrauchskandal und den Vorwürfen von Viganò:

  1. Jeder Fortschritt in der Aufklärung ist ein guter Schritt: Wahrheit befreit, auch und vielleicht gerade dann, wenn sie weh tut. „Metanoia – Umdenken“ ist kein bequemer Vorgang.
  2. Wenn der Papst tatsächlich über die Umtriebe von McCarrick informiert war, dann war er eben tatsächlich informiert. Die Auffassung, die Erneuerung der Kirche hinge von einer Lichtgestalt an der Spitze ab, ist eine narzisstische Selbsttäuschung, zu der die katholische Christenheit neigt – einst bei Johannes Paul II., dann bei Benedikt XVI., und nun eben auch bei Franziskus.
  3. „Homosexuelle Netzwerke“ ist ein diffamierender Kampfbegriff des homophoben Sumpfes, der bis in die höchsten Spitzen der Hierarchie reicht und dort blubbert. Gesucht und gefunden werden soll ein Sündenbock: Die Schwulen! Genau damit wird die notwendige Strukturdebatte vermieden, die die Kirche mit kritischen Blick auf sich selbst so nötig hat. Ich spreche stattdessen von „männerbündischen Netzwerken“. Zu denen gehören auch Heteros.
  4. Deswegen: Selbst wenn Nuntius Vigano recht haben sollte: Vorsicht vor Vigano! Der gehört selbst zu den Netzwerken, die er anzeigt, vertuscht dies durch seine Sprachregelung, und hat also offensichtlich eine eigene Agenda.
  5. Als Kardinal Sodano an Ostern 2010 wegen seiner Äußerungen über das „Geschwätz in der Welt“ (gemeint: Missbrauchs- und Vertuschungsvorwürfe) von Kardinal Schönborn kritisiert wurde, wurde Schönborn vom Vatikan gedemütigt: „Ein Kardinal kritisiert einen anderen Kardinal nicht öffentlich!“ Inzwischen zerfleischt sich die Hierarchie untereinander vor laufenden Kameras. Das ist ein Hinweis darauf, dass die Aufklärung vorankommt. Denn auch dies gehört zu allen Aufklärungsprozessen von Machtmissbrauch: Aufklärung spaltet zunächst einmal. Die Hierarchie muss nun durch diese Spaltung hindurch gehen, um die tieferen Gründe für die Einheit überhaupt erst (wieder) zu finden. Sie sollte bei dieser Suche auch mal anfangen, eher auf andere hinzuhören als nur auf ihresgleichen.

Das trieft vor chronischer Blödheit! Zu den einzelnen „Bemerkungen“:

Erste Bemerkung

Der Inhalt nähert sich assymptotisch der Nullgrenze. Man muß ja noch mal sagen, daß Wahrheit besser ist als Irrtum, selbst wenn sie unangenehm ist. Aha! Wußte ich gar nicht. Ich dachte Lügen sei besesr – selbst wenn’s angenehm ist. Oh Gott!

Zweite Bemerkung

Hier sehen wir die Kunst, zwei Punkte in einer Bemerkung unterzubringen, die nichts miteinander zu tun haben. Zweiter Satz ist völlig richtig: Wer Papst Franziskus mit Jesus verwechselt, der leidet unter einer Selbsttäuschung (ob die narzisstisch ist, das vage ich zu bezweifeln. Aber ich glaube, Herr Mertes kennt sich mit dem Thema besser aus als ich). Der erste Satz jedoch hat Sprengstoff. Es ist nicht egal, ob Papst Franziskus von McCarrick wußte oder nicht. – Und ehrlich gesagt: Wäre ich ein Mißbrauchsopfer des Jesuitenkollegs, das Herr Mertes gerade leitet – ich wäre nicht bloß entrüstet, sondern würde in den Kampfmodus gehen. Eine Frechheit, sich so etwas anhören zu müssen. „Wenn Herr Mertes von Mißbrauchstätern wußte und statt die Täter zu entfernen, sie als Bedrohung an Ort und Stelle zu belassen, dann ist das halt so.“ Absoluter Realitätsverlust bei diesem Kerl.

Dritte Bemerkung

Homosexuelle Netzwerke – sorry, aber das haben nicht die Leute erfunden, die jetzt kritisieren, sondern das sagt die Statistik. >80% der Mißbräuche waren homosexueller Art und es ist bekannt, daß die Täter von Leuten mit Verständnis für diese Akte (nicht Neigungen!) gedeckt wurden. Was soll das!? Das ist Realitätsverweigerung 2.0. Und das ist kein diffamiernder Kampfbegriff. Das ist einfach das, was es ist. Punkt. Zudem scheint Herr Mertes ein Problem mit dem Wort diffamieren zu haben. Aber gut, das ist in unseren Tagen ja so üblich. Ich wußte nicht, daß es diffamierend ist, einen Schwulen als homosexuell zu bezeichnen. Wieder was gelernt. Danke!
Und nein, es geht nicht um einen Sündenbock. Es geht um die Statistik. Es geht um Ergebnis offene Betrachtung der Ursachen. Es gibt Milliarden Möglichkeiten, wie es zum Mißbrauch kam. Daß Homosexualität auch nur ein Faktor sein könnte – das ist ausgeschlossen. Denkverbote. Nein, schlimmer. Denkverbote wäre ja nur im Kopf. Aber das hier ist in der Statistik. Hier geht es um Wirklichkeitsfälschung. Und das ist ein Problem, eine Ursache des Mißbrauchs: Die Wirklichkeit nicht so aussprechen wie sie ist. Im günstigsten Fall ist’s Irrtum, in diesem Fall hart an der Lüge.
Dann schaut euch die Heuchelei an: Sündenbock war die letzten 50 Jahre der Zölibat. Hat man von Herr Mertes da eine entsprechende Bemerkungssalve dagegen gehört? Was? Nein? Gibt’s ja gar nicht.
Und schließlich: Ja, Mißbrauch ist ein Strukturproblem. Da habt ihr’s! Das ist kein Problem mit der persönlichen Sexualität, nein, daß ist eine Struktur. Und zwar der Kirche! Jawohl, der Kirche! Da hab ich’s euch gesagt, schwarz auf weiß. Und wenn ich das sage, dann ist das so! Mißbrauch ist ja auch grundsätzlich ein Strukturproblem. Also in der Kirche, meine ich. Außerhalb der Kirche sind das alles Einzelfälle. Jawohl! Ist doch klar! Und da müssen wir darüber reden. Also ehrlich jetzt! Wir müssen reden. Noch viel mehr reden. Notwendig reden, gerne reden! Reden, ja reden! Weil Mißbrauch, den verhindert man durch Reden und durch Debatten. Und und und. Ich meine, wir machen das seit 50 Jahren, das mit dem Reden. Und wir sehen: Diese Strukturprobleme, die haben wir immer noch nicht durchgeredet. Da gibt es immer noch bedarf. Und Reden hilft! Bischöfe rauswerfen? I wo. Reden! Ich sag es immer wieder! Hätten wir mal mit dem Bungabungakardinal mehr geredet! Dann hätte der aufgehört, Seminaristen anzufassen! Reden hilft immer mit Bischöfen! Weil die haben ja Gehorsam geschworen. Ja! Gehorsam. Und wenn man sie da freundlich daran erinnert, dann halten die sich daran. Der Papst muß da nur mal auf den Tisch hauen und Tacheles mit denen reden. Denn seine Macht der Worte reicht bis an die Enden der Erde oder gar in die Unendlichkeit!

Männerbündische Netzwerke – wie man auf so eine Luftnummer kommt? Hat man ihm gesagt, daß es nur männliche Kleriker gibt? Weiß er das? Ich bin mir nicht so sicher.

Vierte Bemerkung

Ach, Viganò vertuscht? Achso! Interessant? Da weiß der Herr Mertes mal wieder mehr als andere. Dann würde ich gerne mal wissen, was der Erzbischof Viganò kurz vor seinem letzten Lebensabschnitt denn für eine Agenda hat und was er da vertuscht. Das würde mich brennend interessieren. Herr Mertes scheint das ja zu wissen. – Heiße Luft, heiße, stinkende Luft. Hirnfurz! Mehr kommt da nicht. – Wenn Viganò recht hat, dann muß Papst Franziskus zurücktreten. Punkt. Und wenn Viganò selbst Dreck am Stecken hat, dann gehört der auch ans Tageslicht. Aber das ist ein anderes Problem! Fuzzy logic dieser Klaus.

Fünfte Bemerkung

Es war bisher ja schon viel bullcrap ausgekotzt worden. Aber das ist echt die Krone! Nein, nicht nur der Papst darf nicht kritisiert werden, sondern auch die Kardinäle nicht! Wie wär’s mit Erzbischöfen? Dann könnte Herr Mertes nichts mehr gegen Viganò sagen.
Die Spaltung tut der Einheit gut – soso. Weil das Papstamt ist in Wahrheit ja das Amt der Spaltung. Haben ja die ganzen Konzilien bewiesen. Immer Spaltung: Arianer, Monophysiten, Nestorianer, Manichäer, Waldenser, Albigenser, Lutheraner, Gallikaner, Jansenisten,… überall nur Spaltung! Ja, Spaltung! Das Papst spaltet. Dafür ist es da? Aber auch die Spaltung dient der Einheit! Das weiß jeder Wiederverheiratete! Ist doch klar!
Und da sollte man mal auf andere hören. Z.B. Scheidungsanwälte! Oder Protestanten! Oder Hegel! Die wissen, wie das funktioniert mit der Katholizität und auch mit der Apostolizität und erst recht mit dem petrinischen Amt! Also diese Hure Babylon! Hrrr. – Äh, ich meine Bäh!

Mein Ratschlag:
Hohle Nüsse wie P. Mertes sollte man ignorieren. Statt dessen auf die Hl. Schrift hören. Täte uns allen gut!