Es geistert ein Söder durch Bayern, der Kreuze öffentlich aufzuhängen einfordern möchten. Eine gute Idee? Eine schlechte Idee? Der Lieblingskardinal meint eher schlecht, das würde spalten. Interessanter dagegen Johannes Hartl. Er spricht sich für die Kreuze aus. Was meine ich dazu?

Ich glaube, daß die Perspektive arg unkatholisch ist. Natürlich wird es neuzeitlich betrachtet, wo Politik und Religion verschiedene, begrenzte Bereiche des Lebens sind. Sie sind funktional differenziert, wie man heute sagt. Politik ist mehr oder weniger das öffentliche Leben nach der Warte des Liberalismus. Religion ist Privatsache oder irgendwie ein Teil des Souveräns (das Volk), der auch in dessen Repräsentation repräsentiert wird. Also ein Element unter vielen Elementen. – Und damit habe ich ein Problem. Also mit beiden Begriffen, wie hier herumhantiert wird. Seit der Lektüre Arendts halte ich Politik für etwas anders. Politik bezeichnet das politische Handeln, das Handeln des Menschen sobald er aus seinem Privatreich entschwindet und Teilhaber einer Gemeinschaft, der Polis, ist. Aus diesem Verhältnis folgen die Rechte und Pflichten des politischen Menschen. Der Politikbegriff Arendts ist daher nicht nur weiter, sondern gänzlich anders. Es geht um das Handeln.

Religion hat eine ähnliche Dimension. Jeder hat eine religio. Es geht damit nicht um soziologische Begriffe (wie Religion faktisch verwendet wird). Religion ist das Verhältnis zum Absoluten. Soetwas wie Gerechtigkeitssinn ist eine religiöse Qualität. Man könnte auch sagen: Religion ist das Verhältnis zu den Werten oder die Herrschaft des Wertebereichs über mein Leben. In diesem Sinne ist jeder Mensch religiös. Unterschiedliche Religion ist demnach ein unterschiedlicher Umgang mit dem Wertebereich, eine andere Art von Herrschaft.

Von dort aus ergibt sich ein anderes Bild und damit ein anderes Verhältnis von Politik und Religion. Eine Trennung von Politik und Religion ist in dieser Sicht nicht einmal denkbar. Sie können nie in einen Gegensatz zu einander treten. Religion ist politisch und Politik ist religiös. Zur Erinnerung: das Ziel der Politik ist das bonum commune. Der Umgang, die Art der Herrschaft, die sich vom bonum commune her entfaltet, ist Religion.