Bei manchen Dingen, da traut man sich kaum, nachzuschauen. Es gibt gewisse Leute, die unverblümt und ungehorsam gegenüber ihrem Amt Irrlehren verbreiten. Man könnte dazu sagen: gut, einfach links liegen lassen, diesen Bischöfen oder Kardinälen kein Gehör schenken, kurz: nachhaltig ignorieren. Dann gibt es andere gewisse Leute, die doch das Maul aufmachen, und zwar im Gehorsam zu ihrem Amt, und mahnende Worte sprechen, weil da Unfug verbreitet wird. Soweit ja noch kein Drama. Aber was dann kommt!

Also was ist Geschehen? Bischöfe Marx und Bode sprachen sich für die Segnung von homosexuellen Partnerschaften «in Ausnahmefällen» aus. So schamlos verarschen wie Politiker können auch Bischöfe! Ausnahmefall. Genau. Die letzten 2000 Jahre haben die beiden verpennt. Gut, das Naturrecht hat keinen guten Stand mehr in Deutschland. Aber das ja schon seit über 50 Jahren. Was das positive Offenbarungsrecht betrifft, so sieht’s da auch nicht besser aus. Treffend muß man sagen «Selbstprotestantisierung». Da kann die Ehe nichts anderes als ein «weltlich Ding» sein. Okay.
Akt II: Weihbischof Andreas Laun erhebt seine Stimme gegen seine Kollegen. Er sagt das, was die Kirche lehrt. Und er rekurriert dabei auf die inhaltliche Bedeutung von «Segnen». Unverkennbar ist da ein biblischer Hintergrund gegeben. Segnen ist so alt wie Abraham. Nur was ist nun der Stein des Anstoßes? Das hier:

«Aber jetzt zur Frage von Kardinal Marx und nicht wenigen Priestern: Die Antwort ist einfach: Den Segen Gottes kann man für Sünder, aber nicht für die Sünde erbitten. Also könnte man kein Bordell einweihen, kein KZ oder Waffen segnen, die nicht ausschließlich zur Jagd oder zur legitimen Verteidigung bestimmt sind. Darum ist klar, man darf auch nicht eine Verbindung segnen, die sündhaft ist, nicht die Mafia, keinen Segen für Vereinigungen oder Einrichtungen geben, die Abtreibung fördern und durchführen oder glaubensfeindliche Ideologien verbreiten, antisemitische Inhalte und andere Formen rassenfeindlichen Denkens.»

Akt III: Zwei andere Kollegas springen auf den Plan: Erzbischof Lackner und Kardinal Schönborn. Über letzteren wird berichtet:

«Es gehe „jedenfalls nicht an, den Wert gleichgeschlechtlicher Beziehungen in einem Atemzug mit der Mafia oder KZs zu nennen, wie dies leider gerade geschehen ist“, erklärte der Wiener Erzbischof am Dienstag, 13. Februar 2018 in einer Stellungnahme gegenüber kathpress und hielt fest: „Diese Dinge sind nicht vergleichbar. So zu reden ist inakzeptabel.“»

Die Frage ist: Verfügt Kardinal Schönborn über elementare Kenntnisse der Logik? Aber nicht nur Logik, sondern auch über Grundkenntnisse der sog. Redewiedergabe? Und etwas philosophischer: Weiß er überhaupt was ein Wert ist, worauf er sich bezieht? Gibt er die Differenz von Sünder und Sünde wieder? – Offenkundig: Nein! So tief steht die Sonne. Hier findet sich kein Inhalt, nur massentauglicher, emotionaler Senstationalismus.

Aber dann wollen wir mal dem Kardinal ein paar Lücken schließen:
a) Logik: Was ist das tertium comparationis hier? Was wird hier verglichen? Antwort: Die Sünde. Genauer: Es werden verschiedene Akte (!) miteinander verglichen. Und diese haben eine gemeinsame Eigenschaft: Sünde zu sein.
Was wird hier nicht verglichen? Antwort: Personen oder die Gemeinschaft von Personen. Der Satz «Sokrates ist Sünde» ergibt keinen Sinn. Der Satz «Der FC Bayern München ist Sünde» ergibt ebensowenig Sinn.
Die Sprachlogik sagt das schon aus. Thema ist hier Segnen, d.h. es geht um eine bestimmte Handlungsqualität, um die Art und Weise, wie etwas zu gebrauchen ist. Dieses Gebrauchen wird qualifiziert. Es handelt sich somit um Akte im strikten Sinne und diese werden verglichen.
Das gilt auch für Vereinigung. Denn Vereinigung haben immer ein Ziel, um dessen willen es überhaupt zu Vereinigung kommt. Die Vereinigung soll Akte begünstigen, die jenes Ziel haben. Wenn man weder die Akte noch die Ziele segnen kann, dann kann man auch die Vereinigung, die diese Akte und Ziel als ihren Existenzgrund haben, nicht segnen. Ganz einfach.

b) Redewiedergabe: Im Deutschunterricht lernt man, Texte präzise wiederzugeben. Es werden keine neuen Inhalte eingeführt. Man gibt nur das wieder, was bereits gegeben ist. Ein Zufügen verbietet sich per definitionem. Bischof Laun schrieb von Sünder und Sünde. Frage: Wo kommt nun das Wort «Wert» her? Antwort: Aus dem fremden Munde Schönborns. Wert war gar kein Thema!

c) Werte: Es geht hier um zwei unterschiedliche Sachen: Sünder und Sünde. Der Sünder ist eine Person und damit hat er einen inkommensurablen Wert. Der Begriff Sünder, und viele andere wie Schachspieler, Postbote, Attentäter, Papst, Nutte, KZ-Aufseher ändern an diesem Wert nicht das geringste.
Die Sünde dagegen ist ein Akt, d.h. eine Reaktion auf einen Sachverhalt der von sittlicher Relevanz ist. Es handelt sich hier um einen moralischen Akt. Moralische Akte haben eine Relation zu verschiedenen sittlichen Werten. Man kann diese typisieren und weiter unterscheiden. Wer sich dafür interessiert, der möge Max Scheler oder Dietrich von Hildebrand lesen. Sünde ist ein schlechter Akt. Er bezieht sich nicht auf einen guten Wert, sondern auf einen bösen Wert (auch Unwert genannt). Es gibt nun verschiedene Möglichkeiten, warum ein Akt böse wird (Ziel ist böse, Umstände sind böse, Mittel ist böse).
Nochmals: Sünde bezieht sich auf Akte (!). In diesem Fall auf homosexuelle Akte. Sie bezieht sich nicht auf Neigungen (sog. inclinationes). Neigungen sind kein Gegenstand sittlicher Begutachtung. Akte hingegen schon.

Kardinal Schönborn hat diesen Unterschied nicht gemacht. Weihbischof Laun hat diesen Unterschied gemacht. Statt dessen hat Kardinal Schönborn ein bißchen Emotionsduselei aufgetischt. Mit einem erwachsenen Umgang hat das nichts zu tun. Die Sonne steht hier tief.