Nein, nicht der Karl, sondern der Reinhard. Wieder mal so ein Fall von «der Laie staunt, der Fachmann wundert sich». Es ist aber auch verwirrend dieses Gerede vom Gewissen. Nun kommt der Herr Kardinal aus München zu Wort. Was soll man da sagen? Kann der Mann zwischen Gewissensentscheidungen und gewissen Entscheidungen unterscheiden? Ich habe meine Zweifel. Da kommt sowas wie «Respekt vor Entscheidung» vor. Entweder bläst der Herr hier eine Trivialität soweit auf, daß er quasi gar nix sagt, oder aber er will da irgendetwas rechtfertigen, was nicht stimmt, was nicht vereinbar ist mit der Lehre der Schrift und der Kirche.

Fall A: Es mag gewisse Fälle geben, in denen man nicht zwischen Mord und Totschlag unterscheiden kann, da die Motivlage im Menschen von außen nicht einsichtig ist. -> Trivialität. Nur dann wäre zu klären, wie das sich bei Homosexualität verhält. Gibt es da «niedere Beweggründe»? Auf die Ausführungen wäre ich schon gespannt.

Fall B: Es gibt Umstände, eben solche, die im Gewissen ihren Ursprung haben, die gelebte homosexuelle Akte nicht zu einer schweren Sünde machen. Und so klingt der Herr Marx in diesem kleinen Artikel. Das wäre natürlich bedauerlich, denn dann würde jener eben jene Lehre von den intrinsisch schlechten Akten ablehnen, die Teil des Naturrechts ist! – Aber in dieses Horn bläst man ja sowieso seit der Königsteiner Erklärung. Mich wundert da rein gar nichts. Sein Kardinalskollege Kasper scheint ja auch auf dem Trip zu sein, daß das Gewissen ein göttliches Gebot (Dekalog, Ehebruch…) aufheben kann.

Andererseits: die Kirche hat immer Respekt vor gewissen Entscheidungen. Sie nimmt die Leute ernst. Wer sich exkommunizieren will, der wird damit ernst genommen. Zumindest noch bis vor kurzem.
Und ich möchte noch einmal betonen: Die Unterscheidung zwischen läßlicher und schwerer Sünde setzt ein gebildetes Gewissen voraus. Im Falle einer subjektiv nicht vorhandenen Schuld kann diese Unterscheidung also nicht angewandt werden. Wenn ein irgendwie geartetes Sündenbewußtsein hierbei besteht, dann besteht ipso facto der Fall von schwerer Sünde. Der Fall «läßliche Sünde» und subjektiv kann nicht vorkommen. Dann ist nur noch die Frage, ob der Fall «keine Sünde» vorkommen kann. Aber dann hat man definitiv nicht die Lehre der Kirche gehört. Das ist kaum vorstellbar. Ich sehe da eigentlich überhaupt keine «Toleranz», keinen Spielraum. Es gibt nur Ja oder Nein. Fertig.