Es ist soweit: Papst Franziskus hat seine authentische Interpretation des Schreibens Amoris Laetitia abgegeben. Es ist ein Paukenschlag, den die verschlafenen Christen und Theologen in Deutschland nicht hören. Was zuvor katholische Philosophen nicht für möglich gehalten haben – eine solche Interpretation, die mit der Tradition bricht, kann doch nicht infrage kommen -, das ist nun geschehen. Nach Papst Franziskus kann es Fälle geben, in denen eine schwere Sünde nicht vom Sakramentenempfang ausschließt.

Zunächst was die katholischen Philosophen verstanden, deutsche (insbesondere Moral-)Theologen nicht verstanden haben: Bei wiederverheiratet Geschiedenen gilt in ihrer Situation immer noch, daß sie in einer objektiv schweren Sünde leben. Ich prophezeie, daß Theologen das nicht raffen! Papst Franziskus nimmt also nichts von dem Sündenverständnis hinweg. Kein My, kein Jota oder einen Spalt. Schwere Sünde bleibt schwere Sünde. Basta!
Was Papst Franziskus sagt: Es kann Fälle geben, in denen unter vielen, gravierenden Auflagen, die in AL genannt werden, bei denen wiederverheiratet Geschiedene zu den Sakramenten zu gelassen werden können. Einerseits gilt es nur in bezug zu der schweren Sünde, die diese Personen betrifft. Es ist also keine generelle Aussage über schwere Sünden und Zugang zu den Sakramenten. Andererseits gibt es keine Regelhaftigkeit dahinter (bisher). Für den romtreuen Theologen gibt es nun folgende Aufgaben für den Reflexionsprozeß:

a) Der Zusammenhang von schwerer Sünde im speziellen und Sakramentenempfang im allgemeinen muß reflektiert und dargestellt werden können.
b) Der Zusammenhang von schwerer Sünde im allgemeinen und Sakramentenempfang im allgemeinen muß reflektiert und dargestellt werden können.
c) Der Zusammenhang von schwerer Sünde im allgemeinen und Sakramentenempfang im speziellen muß reflektiert und dargestellt werden können.
d) Es muß festgestellt werden, welcher Rechtsart die Bestimmungen sind, die die Fälle a)-c) betreffen.
e) In allen Fällen muß es eine rechtliche Erklärung über die d) von Seiten des Lehramtes geben.
f) Falls der Sakramentenempfang durch das rein kirchliche Recht, ius mere ecclasiasticum, genormt werden kann, müssen die Kompetenzen durch einen lehramtlichen Entscheid festgelegt werden. Falls ein Ermessensrahmen für das Diözesanrecht gewährt werden kann, muß dieser Rahmen ebenso festgelegt werden.

Warum ist das nun so zu bedenken? Es gibt scheinbar Fälle, in denen das Lehramt von Papst Franziskus meint, daß der Empfang von Sakramenten unter bestimmten Auflagen, möglich ist. Aber gilt das nun allgemein? Ein Beispiel: Zum Sakrament der Versöhnung gehört wesentlich die Reue. Ohne Reue kein Sakrament. Wenn jemand in seiner Sünde verbleibt, also weiter im Ehebruch lebt, dem kann die Sünde nicht vergeben werden. Und das gilt für das Sakrament der Versöhnung als ganzes. Es gibt keine «Teilbeichten», wo man 8/10 Sünde beichtet und die dann wenigstens los wird, aber in seinen anderen 2/10 kann man verbleiben. Nein, das ist unmöglich. Es ist also zu prüfen, welcher Zusammenhang zwischen der jeweiligen schweren Sünde (bzw. der hier angezeigten) und dem jeweiligen Sakrament besteht.
Wenn diese Fragen geklärt sind, dann kann Rechtssicherheit hergestellt werden. Und das ist hier immens wichtig. Es geht um den sensibelsten Bereich des Menschen: Um sein Seelenheil. Man darf es hier sich nicht einfach machen.

Es gibt viel zu tun!