An mich werden immer wieder zwei Arten des Wählens herangetragen: Entweder man wählt das kleinere Übel oder taktisch. Das kleiner Übel wäre natürlich die CDU. Die taktische Variante wäre natürlich die FDP. Schwarz-gelb wäre die bestmögliche Koalitionsvariante. Also Erststimme CDU-Mann, Zweitstimme zur FDP. Aber für was entscheiden?

Meiner Meinung nach ist keine der beiden Optionen überhaupt eine Option. Der Punkt mit dem kleineren Übel leuchtet mir überhaupt nicht ein. Man sagt mir das, seitdem ich wählen darf. Aber warum sollte ich überhaupt ein Übel wählen? Das ist doch Blödsinn. Und was ist das für eine zynische Stimmung? Entweder ich steh hinter der Stimme oder ich gebe keine Stimme ab. So geht man doch auch nicht bei auf Partnersuche. Das kleinere Übel. Daß ich nicht lache.
Die andere Variante ist ähnlich blödsinnig. Denn das bedeutet etwas zu wählen, was man gar nicht wählen will. Es gibt da ja keine Identifikation. Taktisch heiraten? Nein, danke. Ich habe sowohl Anstand wie Gewissen. Es wäre schlicht unehrlich einer Partei eine Stimme zu geben, die ich gar nicht unterstützen kann. Aus welchen Gründen auch immer. Diese taktische Variante ist zudem eine Form des Konsequentionalismus, also «der Zweck heiligt die Mittel». Das ist unmoralisch. Unter allen (!) Umständen. Selbst die erste Variante könnte man konsequentionalistisch auffassen.

Daher entscheide ich mich für Variante Drei: Keins von beidem. Einfach nicht wählen. Es ist mein gutes Recht, meine Zustimmung zu irgendjemandem zu verweigern. Und das werde ich tun, was die Bundestagswahl betrifft. So oder so ist meine Meinung dort nicht vertreten. Warum also den Anstrich geben, ich hätte damit was zu tun? Das ist doch intellektuell unredlich. Ich bin zu wenig Mitläufer für so ein Schmarrn.

Im Anklang an den BDKJ: Es ist viel mutiger, kein Kreuz zu machen, als ein Kreuz zu machen bei der Wahl!