13 Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. 14 Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. 15 Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.

Mt 2,13-15

Momentan fluten Nachrichten über Flüchtlinge alle Informationskanäle. Kaum eine Stunde vergeht ohne neue Beiträge dazu auf Facebook, Twitter, Zeitungsportalen. Alle haben eins gemeinsam: „Refugees Welcome!“ – Flüchtlingsnachrichten sind positive Nachrichten. Kritik unerwünscht. Wie begegnet man im Glauben dieser Situation, erst recht, wenn Papst Franziskus zur Aufnahme von Flüchtlingen aufruft?

Gerne wird in religiösen Bezügen auf Jesus verwiesen. Schließlich war er auch Flüchtling und hat Unterschlupf gewährt bekommen. Das ist richtig. Jedoch hat er kein Asylgesuch an Rom gerichtet, sondern ist in das Nachbarland abgehauen. Und er ging zurück, sobald die Gefahr vorüber war. Er war kein Immigrant. – Zwei wichtige Punkte hinsichtlich der aktuellen Problematik.

Für uns Christen ist klar: Wer Schutz sucht, bekommt ihn, ganz unabhängig von allen äußeren Umständen (Zwischenfrage: gilt das auch für Neonazis?) Eine Art Zuständigkeitsfrage gibt es nicht. Wer anklopft, dem wird aufgetan. Auf Seiten der Christen ist alles klar. Aber auf der Seite der Schutz Suchenden ist nicht alles klar. Es klingt trivial: Schutz suchen kann nur der, der auch Schutz sucht. Wer anklopft als Geschäftsmodell, der sucht definitiv keinen Schutz, sondern anderes, meistens Geld. Und das ist auch kein Almosen.
Hier wird die Problematik relativ: Wer in Deutschland als arm gilt, hat womöglich alles, was er zum Leben braucht. Gemessen an armen Regionen der Welt, etwa in Afrika oder Südostasien, ist es vielleicht relativ viel. Wer diese Strategie fährt, ist kein Flüchtling. Er sucht kein Schutz. Und in diesem Sinne betreiben nahezu alle Medienkanäle Etikettenschwindel. Das geht zu lasten derer, die wirklich flüchten, weil sie um ihre Existenz bangen.

Ein paar Randbeobachtungen zu den Problemen, die hier entstehen, aber nicht erwähnt werden:
Versicherungen: wer hier ankommt, hat keine Haftpflicht. Das ist ein riesiges Problem! Wer kommt für Schäden auf? Wie sieht es aus mit Krankenversicherung? Braucht man unbedingt, fehlt aber.
Gesetze: kulturelle Unterschiede hin oder her; Rechtsstaatlichkeit geht nur, wenn sich auch alle um die Einhaltung der gültigen Gesetze bemühen – zur Not unter Nachhilfe der Gewalten. Andere Kulturen haben andere Gesetze, was zu mindestens zwei Problemen führt: Flüchtlinge brechen Gesetze, die in ihrer Herkunft womöglich erlaubt waren (kultureller Konflikt) und können aufgrund der Sprache auch nicht die hiesige Gesetzeslage nachvollziehen (sprachliche Differenz).

Allein aus diesen beiden Quellen speisen sich weitere Probleme: Arbeiten geht nur mit entsprechenden Versicherungen und Anmeldungen beim Staat (Steuern, Gewerbeschein, etc.), also Verwaltungsaufgaben. Ohne ausreichende Sprachkenntnisse ist das unmöglich. Aber: Ein Arbeitsverbot führt zu Schwarzarbeit -> das Problem wird nur schlimmer. Ebenso die Mitgliedschaft in Handwerkskammern, etc. Ohne Ausbildung ist da Schicht im Schacht. Entsprechend braucht’s Ausbildungsmöglichkeiten.
Weiter gibt es Probleme mit Konten und Wohnungen: ohne Anschrift kein Konto, ohne Konto keine Anschrift. Ohne Einkommen weder Konto noch Anschrift. Das sind Probleme, die miteinander verflochten sind. Hier müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden. (Übrigens ein altes Problem, etwa bei Obdachlosen. Wird allerdings nicht angegangen…)

=> Man sieht: „Refugees Welcome!“ allein löst die Probleme nicht.

Weitere Beobachtungen:
Warum nehmen Flüchtlinge den weiten Weg von jenseits des Mittelmeers bis nach Deutschland auf? Warum nicht nach Saudi-Arabien? Das wäre viel näher. Warum wollen Flüchtlinge nach Deutschland und bleiben nicht in Ungarn, Italien, Griechenland, Albanien? Warum wird zum Rechtsbruch aufgerufen, die Drittstaatenregel nicht anzuwenden, indem man nicht EU-Bürger nicht mehr kontrolliert, also nicht mehr registriert?

Ein Wort zum Heiligen Vater:
Seine Aufforderung ist aus der Kategorie „nicht hilfreich“. Die rechtlichen Konsequenzen müssen klar sein. Hilfe muß organisierbar sein. Es braucht entsprechende Strukturen. Manche können das stemmen, manche nicht. Ein Satz reicht dazu nicht aus. Wir müssen mehr über diese Probleme nachdenken und die romantisierte Brille weglegen. Dann kann man wirklich helfen!