Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet. Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird. Denn immer werden wir, obgleich wir leben, um Jesu willen dem Tod ausgeliefert, damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleisch offenbar wird. So erweist an uns der Tod, an euch aber das Leben seine Macht.

2 Kor 4,8-12

Der Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo offenbart pseudochristliche Gefühlsduselei. „Je suis Charlie“ rattert durch Twitter und Facebook. Einige kommentieren das mit „Ich bin nicht Charlie“. Beide Haltung haben etwas Befremdliches: geht es um Mohammedkarikaturen, so distanzieren sich viele von der vorderen Fraktion. Geht es aber um „universale Solidarität mit der Pressefreiheit“ ist man plötzlich ganz nah. Letztere Fraktion ist zwar ehrlich, wenn sie mit dieser „Art von Pressefreiheit“ nichts zu tun haben will und dann auch noch in ihren „religiösen Gefühlen“ verletzt sein mag. Aber: konsequent ist das auch nicht – weder aus christlicher noch allgemein menschlicher Perspektive. Besonders jener Blogartikel hat’s mir angetan.

1.) Satire darf alles!
2.) Christen haben’s eben nicht einfach (s.o.)
3.) Satire deckt auf!
4.) Zitat aus jenem Blog:

Für einen Christen sollte es selbstverständlich sein, dass er mit den religiösen Ansichten und Gefühlen seiner Mitbürger respektvoll umgeht.

Die im Zusammenhang illustrierende Karikatur, wo sich „die Dreifaltigkeit in den Arsch fickt“, deckt doch genau das auf: Homosexuelle haben auch Gefühle, oder auch: manche Christen haben einen Stock im Arsch, den sie mit dem Hl. Geist verwechseln.
Als hätten „religiöse“ Gefühle irgendwelche Privilegien gegenüber „anderen“ Gefühlen. Was sollen außerdem religiöse Gefühle sein? Etwa wie Seidls „Paradies: Glaube“, wo eine Frau sich mit einem Kruzifix befriedigt?Grotesk finde ich dann die Kennzeichnung der Karikatur als „sexuelle Provokation“ oder „pubertär“. Aha. Ich fühle mich mit diesen Bezeichnung in meinen „pressefreiheitlichen“ Gefühlen angegriffen.

Was bleibt? Humor ist, wenn man trotzdem lacht!