Jüngst gab es wieder einen Beitrag auf kath.net über die Frage nach der Möglichkeit einer Diakoninweihe. Sind die dort vorgebrachten Argumente glaubhaft und damit jede Diskussion darüber im Keim erstickt oder lässt sich über das ein oder andere diskutieren?

Der selige Papst Johannes Paul II. schrieb hierzu in seinem Apostolischen Schreiben „Mulieris Dignitatem“ (Nr. 26) im Jahr 1988: „Wenn Christus nur Männer zu seinen Aposteln berief, tat er das völlig frei und unabhängig. Er tat es mit derselben Freiheit, mit der er in seinem gesamten Verhalten die Würde und Berufung der Frau betonte, ohne sich nach den herrschenden Sitten und nach der auch von der Gesetzgebung der Zeit gebilligten Tradition zu richten. Daher entspricht die Hypothese, er habe Männer zu Aposteln berufen, indem er der damals verbreiteten Mentalität folgte, ganz und gar nicht der Handlungsweise Christi.“

Auf den ersten Blick erschient diese Aussage doch sehr eindeutig. Schließlich hat Jesus nun mal zwölf Männer berufen und keine Frauen. Allerdings schreibt Johannes Paul über Apostel und nicht über Jünger. Wenn es also um die Berufungsfrage geht, müsste man hier auch fairerweise sagen, dass er auch Judas Iskariot berufen hat. Und damit ist eine Differenz zwischen Jünger und Apostel angezeigt.

Die biblisch und historisch gesicherte Erwählung der „Zwölf“, die Übergabe des Hirtenamtes Christi an die Apostel und die Weitergabe dieses Hirtenamtes durch die Bischofsweihe von Männern kann man nun kritisieren.

Hier wird eine Verbindung suggeriert von der Erwählung der Zwölf (historisch-biblisch korrekt) und der Übergabe der Hirtenamtes Christi an diese (weder historisch noch biblisch korrekt). Biblisch-historisch betrachtet gab Christus seinen Heiligen Geist weiter (zb Pfingstereignis oder auch Joh 20,19-23). Damit ist noch kein Amt übertragen oder gar vorhanden. „Das“ Amt gibt es erst viel später in den nachapostolischen Gemeinden. Gemeindeorganisation gab es in unterschiedlichen Formen und Diensten aufgrund der verschiedenen Charismen, die in den Dienst der Gemeinde gestellt worden sind. Mit „dem“ Amt wurden die verschiedenen Dienste und Aufgaben konzentriert von vielen Menschen auf wenige. Und selbst dann gab es noch Vielfalt. Es ist natürlich fraglos richtig, dass die Apostel eine Leitungsfunktion hatten, aber es wäre falsch diese Leitungsfunktion mit Amt zu verknüpfen. Die Geburt von einem Amt wird in der Apostelgeschichte beschrieben: Die Wahl der Diakone im Witwenstreit. Das der Heilige Geist von den Aposteln weitergegeben wurde und mit der Handauflegung verknüpft war, steht auch fest. Allerdings halten sich zwei der frisch beauftragten Diakone – Stephanus und Philippus – nicht an den einzig diakonischen Dienst und fangen an zu Predigen. Ganz offensichtlich hat sich ihr Charisma durchgesetzt, nicht der enggefasste Amtsauftrag. Und es war in Ordnung!

Und dennoch muss es dogmatisch dabei bleiben: Wie sich die Priesterweihe von der Bischofsweihe ableitet, so leitet sich auch der Dienst des Diakons vom Dienst des Bischofs ab. Man kann die drei Stufen des Männern vorbehaltenen Weihesakraments, das seinen Ursprung im Hirtendienst der Apostel nimmt, nicht voneinander trennen.

Biblisch-Historisch ist diese Behauptung wieder sehr dünn. Faktisch gab es im neuen Testament unterschiedliche Ämter wie Diakon, Presbyter oder Episkopus im Einzelnen, also ein Diakon ohne die Erwähnung eines Episkopus. Und auch die Frage, ob ein Presbyter den priesterlichen Dienst ausführen darf, wurde in den Auseinandersetzungen um die Frage des Amtes geklärt. Und das war nach der apostolischen Zeit. Es bleibt noch die Frage nach dem Sakrament des Amtes. Sind die drei Weihen ein Sakrament oder sind es drei Sakramente? Thomas von Aquin war der Meinung, dass es nur ein Sakrament gibt und zwar die Priesterweihe. Weder Bischofs- noch Diakonweihe wären ein Sakrament. Man könnte auch sagen: drei Ämter und nicht ein dreifaches Amt. Diese Verhältnisbestimmtung von den drei Ämtern oder dem einen dreifachen Amt ist heute noch sehr unklar. Es gibt derzeit keinen Konsensus in diesen Frage. Zu behaupten, dass sich die Priesterweihe von der Bischofsweihe ableitet und analog die Diakonweihe, halte ich für sehr unvorsichtig und unklug.

[…] Vor diesem Hintergrund ist auch die Berufung Mariens zur Gottesmutter und die Berufung von zwölf Männern zu Aposteln zu sehen. Gott erwählte die, die er wollte. Er war frei darin, was er tat. Und er erwählte nicht Petrus zum „Felsen“ seiner Kirche, weil er besser, würdiger oder reiner war als andere Jünger, sondern weil er gerade durch diesen Mann seine Kirche geleitet wissen wollte.

Gäbe es auch eine Kirche ohne Petrus? Definitiv ja. Die Kirche ist keine Firma, die ihr Gründungsdatum mit dem Pfingstereignis hat, sondern eine Gemeinschaft in Christus, die schon immer bestanden hat. Deshalb ist die Kirche „ecclesia ab Abel iusto“. Und die „frühe“ Kirche wurde von Petrus geleitet? Dieser Befund ist doch sehr schwer aufzuzeigen. Es gibt zwar Evangelien die Petrus als Leitungsmann ausweisen (Johannes und Matthäus), aber die Apostelgeschichte wie auch die äußerst wichtige Präsenz von Paulus zeigen, dass er eher der Schwächere war. Paulus hat wesentlich mehr Aufgaben und Dienste erwiesen und Theologie betrieben. Er ist der „doctor gentium“, nicht Petrus. Würden wir ohne jene Evangelienworte einen Maßstab ansetzen würden, wer eher der Leiter war, dann müsste man ganz klar Paulus sagen. Offensichtlich geht es mit dem petrinischen Amt nicht um Leitungsfunktion (also Jurisdiktion und Lehrer in Glaubens-/Sittenfragen), sondern eher um das Amt, was die Einheit bewahrt. Vorsitz in der Liebe. Ein genauerer Befund müsste hier natürlich beschrieben werden. Ich lasse es aber dabei bestehen.
Jedenfalls möchte ich nochmals betonen, dass Leitung in der Kirche vielfältig aussieht und nicht starr, von Christus eingesetzt. Die Apostelgeschichte gibt Zeugnis davon, dass es anders ist, als viele heutzutage behaupten.

 In seinem Apostolischen Schreiben „Ordinatio Sacerdotalis“ (Nr. 4) aus dem Jahr 1994 hielt der selige Papst Johannes Paul II. abschließend fest: „Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken, dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.“

Formal sieht es so aus, als ob JP II. hier ein eindeutiges Dogma erklärt, dass Frauen nie zu Priestern geweiht werden können. Nur weil er das als Papst sagt, hat er damit noch lange nicht recht. Wer meint er könnte das, weil er als Papst „unfehlbar“ ist, der irrt. Denn Unfehlbarkeit ist nur dann gegeben, wenn der Papst den Konsens der Kirche im Namen der Kirche verkündet. Allein schon die Formulierung „jeder Zweifel…beiseitigt wird“ zeugt davon, dass dieser Konsens nicht vorhanden war und erst recht nicht vorhanden ist. Damit kann er nicht im Namen der Kirche und im Konsens der Kirche soetwas verkündet haben. Soviel zu der formalen Ebene.

Es bleibt ja noch die Frage, warum Frauen nicht geweiht werden können. Das gängigste Argument (und eigentlich das letztlich entscheidende) ist, dass Jesus nur Männer erwählt und dass Maria, die doch die mit deutlichem Abstand geeigneteste wäre für eine Priesterweihe, nicht geweiht wurde.
Zu dem zweiten Teil ist zu sagen, was schon vorher gesagt wurde: Es gab damals keine Priesterweihe in dem Verständnis, wie es im Lauf der Kirchengeschichte tradiert wurde. Es gab kein Amt. Wozu also ein Zeugnis von einer Priesterweihe Mariens, wenn es diese zu ihrer Lebzeit noch nicht gab.
Zu dem ersten Zeil möchte ich sagen, dass in Jesus Christus der Logos zur Erde kam. Der Logos aber ist weder männlich noch weiblich. Gott ist nicht Mann geworden, sondern Mensch! Man darf die Brücke schlagen zu den Schöpfungsberichten. Gott schuf den Menschen (also nicht die Menschen) als Mann und Frau. Der ganze Mensch umfasst damit Mann und Frau. Somit ist jene Gleichförmigkeit, die gefordert wird für das Priesteramt, für Mann und Frau möglich. Ansonsten müsste man auch sagen, dass nur Männer Sakramente empfangen können. In der Taufe wird Mann oder Frau Christus gleichgestaltet. Der neue Mensch wird angezogen. Nicht der neue Mann oder die neue Frau. Das Argument: Christus erwählte nur Männer, ist somit im Kontext der Amtsfrage, nicht zu gebrauchen.

Was bleibt nun? Sollen Frauen nun geweiht werden oder nicht? Ganz ehrlich: Ich kenne nicht alle Argumente zu der Beantwortung dieser Frage. Aus meiner Sicht auf die aktuellen Forderung möchte ich nur sagen, dass ich keine theologischen Gründe ausmachen kann, aber praktische Gründe, die dagegen sprechen: All jene Frauen, die lautstark das Frauenpriestertum fordern, sind nicht geeignet dieses Amt auszufüllen. Das Priesteramt ist ein Amt des Dienstes. Es wird nur geschenkt, nicht genommen. Wenn jemand sagt, dass er Priester werden will, intendiert damit nicht das Geschenk und die Aufgabe dieses Amtes, sondern die Machtfülle, die er sich verspricht. Und mögen seine Gründe noch so gut sein. Amt heißt in-Dienst-nehmen lassen. Der einzige Weg, bereit zu werden, ist, die unbedingte Nachfolge Christi. Und bei den Schreihälsen habe ich da grundsätzlich große Bedenken. Und noch ein Nachwort zu den Rufen nach Gleichberechtigung: die Berufung kommt von Gott (Charismen…) und nicht vom Menschen. Gleichberechtigung gibt es nicht. Gott ist für alle da, aber er stattet niemanden mit irgendeinem „Recht“ aus. Auch Männer haben kein Recht auf ein Priesteramt. Diese ganze Gleichberechtigungsschiene mißt mit dem Maß der Welt und nicht mit dem Maß der Liebe. Wer also nach Gleichberechtigung schreit, der soll bitte drüber nachdenken, ob er wirklich den Ruf Christi hört, oder ob er nicht doch den eigenen Ruf hört und ihn verwechselt mit dem Ruf Christi!