Vergangenen Samstag war in der Esperantohalle in Fulda ein äußerst starkes Konzert von Avantasia, dem bandübergreifenden „Metalopera“-Projekt. Abgesehen von dem weitreichenden, weltweiten Erfolg dieser Combo ist mir bei diesem Gig etwas aufgefallen, was man so nicht auf der Platte bemerken kann. Mit dem Blick auf vergleichbare Veranstaltungen fällt immer wieder das Gleiche auf: es gibt Elemente eines religiös-kulthaften Verhaltens. Ich konnte kaum einen „Metaljünger“ treffen ohne Bekenntnisgesten. Am Auffälligsten waren die zahllosen T-Shirts und Sweater mit den verschiedenen Avantasia und Edguy Alben. Fast jeder zeigt seine Wertschätzung der Musiker durch ein bewusstes Outfit. Neben der Kleidung konnte man die allseits bekannte „Pommesgabel“ und andere hocherhobene Handhaltungen entdecken. Dieses interessante Schauspiel wurde durch laute Rufe der Wertschätzung und Begeisterung garniert. Auffallend war die Huldigung von Michael Kiske mit den unaufhörlichen „Kiske, Kiske, Kiske“-Jubelrufen. Auch während der Songs wurde das publikumseigene Wohlgefallen bekundet durch lautstarkes Mitgröhlen von Textfragmenten. Es gibt sozusagen Merkmale der Anbetung, Verehrung, etc.

Interessant finde ich dabei nicht, dass solche religiös-kultischen Elemente auftauchen in irgendwelchen Gemeinschaftsaktivitäten. Viel interessanter ist doch, dass viele Christen (gerade Katholiken) sich vor solchen Bekenntnissen und Verehrungsausdrücken schämen. Wie oft wird sich lustig gemacht über charismatische Veranstaltungen, wo Hände hochgehalten werden? Welches Unbehagen geht durch die Reihen, wenn die Gemeinde zur Orantenhaltung eingeladen wird? Wer geht denn schon mit einem T-Shirt als Glaubenszeugnis durch den Tag? Wer ruft denn „Jesus, Jesus, Jesus“? Und schließlich: Warum geht so etwas bei Metalheads, aber nicht bei Christen? Sind wir nicht kleingläubig, wenn wir keinen Mut haben Gott zu bekennen – vor einander und unter anderen?