Vor 6 Tagen bin ich in das Priesterseminar eingezogen. Eigentlich wollte ich dazu einen Videobeitrag erstellen mit Einladen, Fahrt, Ausladen und so. Allerdings erwies sich das als wenig praktikabel und andererseits hatte ich bisher keine Zeit mich ans Editieren usw. zu machen. Und jetzt wurde es auch Zeit, einen kurzen Post dazu zu schreiben.

Der Empfang im Seminar war sehr herzlich. Ich fühle mich so, als ob ich schon länger hier wäre. Zu Beginn gab es eine Einführung mit dem Herrn Regens und zwei afrikanischen Mitbrüdern. Hat man gedacht, dass das Seminar ein Ort der Strenge und Zucht (xD) sei, der stellt an diesem Punkt fest, dass dem nicht so ist. Es gibt zwar Regeln, aber diese Regeln führen nicht zu Zwang oder Unfreiheit. Im Gegenteil sind sie notwendig, um einer Gemeinschaft einen Rahmen zu geben. Sachen wie Pünktlichkeit sind selbstverständlich. Es ist alles recht locker und gesellig.

Interessant sind die Bestimmungen und Richtlinien zur Priesterausbildung. Und zwar gibt es einerseits eine allgemeingültige Schrift vom Apostolischen Stuhl und andererseits regionale Bestimmungen, also für Deutschland von der DBK. Das ist insofern interessant, dass die Priesterausbildung in erster Linie das Ziel hat, ein richtiger Christ zu werden. Aus diesem Christsein heraus wird die Berufung zum priesterlichen Dienst wahrgenommen. Ist ja auch logisch. Wer kein gebildeter (im Sinne von gewachsen/entstanden/geworden) Christ ist, kann natürlich auch nicht Priester werden. Das Leben im Seminar bedient daher alle notwendigen Dimensionen des Christseins: theologische Ausbildung, spirituelle Bildung, pastorale Befähigung und menschliche Reifung. Natürlich übersteigt die (theologische) Ausbildung des Gemeindevorstehers die des „normalen“ Gemeindemitgliedes.

Mir wird dabei besonders bewusst, dass der Priester eigentlich nichts besonderes ist. Er hat keine Vollmacht. Und er ist auch nicht der Handelnde, der Sündenvergeber oder Heilserwirker. Der Priester ist lediglich Verwalter der Gnadengaben Christi. Christus handelt an den Menschen, nicht der Priester.  Daher lässt er sich in den Dienst nehmen und nimmt ihn sich nicht einfach. Jeder Mensch ist aufgerufen zur Heiligkeit. Diese kann nur existieren durch den Glauben und die persönliche Beziehung zu Gott. Wenn ein Priester als etwas „Besonderes“ oder Übergeordnetes wahrgenommen wird, dann liegt das nicht an seinem Priestertum, sondern viel mehr an seinem Christsein. Denn sein Glaube befähigt ihn die Gnaden des Herrn zu empfangen. Das Priestertum macht ihn fähig die Gnaden des Herrn im Namen des Herrn (!!!) zu entsenden. Darauf muss man deutlich achten!!

Und nun ab zur Vorlesung :D